NEUENBURG „Das ist der Mondschein-Schrank“, erklärt Horst Visser, seit knapp 30 Jahren Mitglied des Neuenburger Heimatvereins, als er auf einen Schrank zeigt, von dem ein geschnitzter Mond herunter lacht. „Dort wurden Pfeifen aufbewahrt, die abends geraucht wurden, bis der Mond aufging“. Nicht nur die Geschichte dieses Schrankes aus dem Herrenzimmer ist interessant, sondern auch in der Vergangenheit des denkmalgeschützten Schlosses lassen sich spannende Fakten auftun.

1462 ließ Graf Gerd von Oldenburg eine Burg zum Schutz vor ostfriesischen Übergriffen erbauen. Erst 1578 wurde begonnen, die Burg zu dem heutigen Schloss umzubauen. Der wohl bekannteste Oldenburger Graf über nimmt 1603 die Regierung: Anton Günther, der durch viele Verschönerungen ein Lustschloss entstehen lässt. Die Pferdezucht war eine Leidenschaft von ihm, und mit dem Verschenken der edlen Tiere trieb der Graf Friedenspolitik.

Viel später, 1862, wurde die Ackerbauschule im Schloss Neuenburg etabliert. „Das war die erste ihrer Art in der Umgebung“, erzählt Visser stolz. Bis 1879 wurden hier etwa 500 Landwirtschaftsschüler ausgebildet.

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„Das Interessanteste ist die Krankenhaus-Geschichte Neuenburgs“, findet Visser. So beherbergte das Schloss von 1939 bis 1945 ein Reserve-Werftkrankenhaus mit bis zu 300 Betten und in den zwei folgenden Jahren ein Rot-Kreuz-Krankenhaus. „Dazu habe ich einige Zeitzeugen befragt – es war wie ein Puzzlespiel“, erinnert sich Visser. Von Juli 1940 bis Juni 1947 sind 671 Kinder – die „Prinzessinnen und Prinzen der Neuenburger Schlosses“ - in diesem Krankenhaus geboren. „Ich bin selbst auch ein so ein Prinz“, scherzt Visser, der seit acht Jahren dem Arbeitskreis Heimatkunde vorsteht. Visser wurde auch im Schloss Neuenburg getraut.

Gegenwärtig herrscht im Schloss nur noch selten Betrieb. „Es ist leider etwas still geworden“, bedauert Visser. Unten im Schloss sind die Kapelle der Kirchengemeinde und ein Kindergarten untergebracht. Im Obergeschoss befinden sich die Räume des Heimatvereins, zu denen beispielsweise das Herrenzimmer zählt. Dort finden sich Möbel, die 1919 bei dem Möbelhaus Dietrich Müller gekauft wurden. Heute gibt es außerdem eine Vogelausstellung im Schloss zu sehen. In der „Friesenscheune“ trifft sich eine Spinngruppe.

Des Weiteren befinden sich auf dem Gelände des Schlosses eine Rauchkate, eine Wagenscheune, ein alter Schafstall und die „Bischür“, eine Art Beischeune. Auch der „Neeborger Wiehnachtsmarkt“ im Schlosspark zieht jährlich viele Besucher an.

Jemandem wie Horst Visser, der sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte Neuen-burgs befasst, muss doch noch ein kleines Geheimniss zu entlocken sein. „Dazu fällt mir das Gefängnis ein, dass sich früher im Keller des Schlosses befand“, entsinnt sich Visser. „Es gab dort einen Raum, der „Speck-Jürgen“ genannt wurde. „Keiner weiß genau warum“.

Besichtigungen des Schlosses und der Rauchkate finden nur nach Absprache statt. Die Schriften des Arbeitskreises Heimatkunde zu der Geschichte Neuenburgs sind beim Heimatverein Neuenburg erhältlich. Im November erscheint das 21. Buch über die Brandschutzgeschichte des Ortes.

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