Jever Das Familienfoto wirkt auf den ersten Blick ganz normal: Um 1925 haben sich die Frauen und Männer einer Wangerländer Familie vom Fotografen ablichten lassen – und dennoch hat das Foto Professor Dr. Antje Sander, Leiterin des Schlossmuseums Jever, besonders berührt.

Denn beim zweiten Blick zeigt sich, dass mehrere Männer der Familie dunkle Brillen oder Augenmasken tragen, einige haben Orden und Ehrenzeichen an der Brust, manche haben ihren Gehstock neben sich stehen. „Wie fast jede andere Familie in Europa dieser Zeit ist die Wangerländer Familie vom Krieg gezeichnet“, erläuterte Sander am Sonntag bei der Eröffnung der Ausstellung „. . . und noch geht es mir gut“ mit Feldpostbriefen aus dem Ersten Weltkrieg.

Das Foto hat sie erst kurz vor der Ausstellungseröffnung als Leihgabe erhalten. „Chlorgas, von den Deutschen erstmals 1915 bei Ypern eingesetzt, verursachte schreckliche, oft tödliche Verätzungen der Lunge und der Augen. Geschützdonner schädigte das Gehör, Granaten rissen Gliedmaßen ab. Angst, Brutalität und Gestank fraßen sich in die Seelen ein, auch wenn auf dem Foto äußerlich kein Schaden zu sehen ist“, erklärte Antje Sander.

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Auch die Feldpostkarten der Ausstellung, die bis 31. März 2015 im Schloss zu sehen sind, zeigen wenig vom Grauen des Kriegs. „Sie zeigen vielmehr, wie der Krieg offiziell wahrgenommen werden sollte“, sagte Antje Sander. Doch die Zusammenstellung ermöglicht, die Schicksale einzelner zu betrachten – zum Beispiel die Schicksale der Brüder Emil, Hugo, Georg und Heinz Heeren aus Varel. Ihre Schwester Frieda Heeren, zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 erst 16 Jahre alt, hat die rund 370 Briefe und Ansichtskarten ihrer Brüder aus dem Krieg, aber auch Post von Freunden und Bekannten gesammelt und aufbewahrt.

Wie der Historiker Dr. Lukas Mücke, der an der Ausstellung mitgearbeitet hat, in seiner Einführung erklärte, hatte Feldpost, die mit erheblichem Aufwand kostenlos in die Schützengräben und die Heimat der Soldaten zugestellt wurde, eine hohe soziale Bedeutung. Deshalb werde Feldpost auch als „Kitt der aus den Fugen geratenen Kriegsgesellschaft“ bezeichnet.

Das Grauen des Weltkriegs wurde bei der Eröffnung auch von Günter Gall und Werber Menke deutlich gemacht: Gall trug erschütternde Lieder und Texte über Soldatenleben, Krieg und Frieden vor, Menke präsentierte Gedichte von Georg von der Vring, dem eine eigene Vitrine in der Ausstellung gewidmet ist.

Frieslands Landrat Sven Ambrosy lobte in seinem Grußwort den persönlichen Ansatz der Ausstellung: Dadurch werde der Krieg weniger abstrakt, die Schicksale der Friesländer weckten Empathie „und zeigen, wie unsinnig Krieg ist“, so Ambrosy.

Für den Landkreis sei die Ausstellung sehr wichtig, denn man könne Zukunft nur gestalten, wenn man die Geschichte kenne.

Landschafts-Präsident Thomas Kossendey sprach zugleich für die Kulturstiftungen der Landessparkasse zu Oldenburg und der Öffentlichen Versicherung, die die Ausstellung finanziell gefördert haben. Er kritisierte den Begriff „Kriegsausbruch“: „Krieg passiert nicht und bricht nicht aus wie eine Krankheit, sondern wird von Menschen gemacht“, betonte er. Um den Ersten Weltkrieg zu fassen, müsse man nur einmal über einen Soldatenfriedhof gehen, riet er.

Zur Ausstellung im Schlossmuseum wurde umfangreiches Material erstellt, das auch für Schulklassen geeignet ist, sagte Antje Sander. Infos gibt’s im Schlossmuseum unter Tel. 04461/ 969 350. Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr,


     www.schlossmuseum.de 
Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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