Jever /Wangerland Mit einfachsten Mitteln und Gerätschaften haben die alten Friesen im Mittelalter durch den Bau von Deichen ihr Land und ihr Leben vor dem „Blanken Hans“ geschützt. „Eine gewaltige Leistung“, betonte Werner Menke am Dienstagabend im Anton-Günther-Saal des jeverschen Rathauses, angesichts der vielen tausend Kubikmeter Klei und Sand, die dabei verbaut wurden.

Der Vortrag der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften Umwelt- und Naturschutz (WAU) „Der frühe Deichbau im Wangerland“ von Dr. Johannes Ey vom Institut für historische Küstenforschung Wilhelmshaven interessierte fast 100 Besucher – darunter auch Vertreter des III. Oldenburgischen Deichbands.

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Ey zeigt anhand dreier Grafiken aus dem Buch „Die Geschichte der Landschaft um den Jadebusen“ von Karl-Ernst Behre eindrucksvoll, wie sich die Küstenlinie im Lauf der Jahrhunderte verändert hat: In der Zeit um Christi Geburt reicht die Crildumer Bucht weit ins Land bis etwa zur Linie Hohenkirchen Oldorf und Waddewarden; der Einbruch der Harlebucht ist auf einer Grafik des 8. Jahrhunderts ersichtlich, im 13. Jahrhundert zeigen sich bereits die ersten Konturen der heutigen Küstenlinie – Crildumer Bucht und Harlebucht sind zur Hälfte verlandet.

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„Mit der Einführung des Deichbaus um das Jahr 1000 griff der Mensch erstmals aktiv in die Küstenentwicklung ein: Ab dem 11. Jahrhundert ist der Deichbau im nordwestdeutschen Küstengebiet historisch überliefert“, berichtete Ey.

Zur Erforschung der Entwicklung der Bedeichung – und der Entstehung des Wangerlands – zieht das Institut für historische Küstenforschung alte Karten heran, interpretiert Luftbilder, kartiert Deichresten im Gelände und nimmt Profilschnitte in frühen Deichen vor. Ein methodischer Schwerpunkt liegt dabei in der Arbeit mit Digitalen Geländemodellen.

Ein digitales Geländemodell beschreibt die Erdoberfläche als eine in der Lage und Höhe bekannte Punktwolke. Eine feine Abstufung im Maßstab 1:5 000 zeigt auch kleinste Niveauunterschiede, durch Interpolation, die Anwendung verschiedener mathematischer Vergleiche, ergeben sich Hinweise auf die vorneuzeitliche Topographie.

Am Beispiel der Ringdeiche um die Wurten Oldorf und Neuwarfen stellte Ey flurumfassende Deiche als erste Phase des Deichbaus im 11. Jahrhundert vor. Die Ringdeiche hatten eine Kronenhöhe von etwa einem Meter. Seit dem 13. Jahrhundert gibt es den küstenparallelen Winterdeich (Goldener Ring) als erste durchgehende Deichanlage entlang der gesamten friesischen Nordseeküste, die das Hinterland vor Sturmfluten mit Überschwemmungen schützt.

Keine Sielfunde

So genannte „Sietwendungen“, die wahrscheinlich kurz nach den Ringdeichen errichtet wurden, kanalisierten das von der Geest kommende und über die Tiefs der Marsch durch den Deich in die Nordsee geführte Wasser. Sie endeten an den quer durch die Crildumer Bucht verlaufenden Abschnittsdeichen – mit fortschreitender Eindeichung entstand die heutige Küstenlinie, berichtete Ey: Sielfunde, wie das in Butjadingen entdeckte Baumsiel, wurden im Jeverland bislang leider noch nicht entdeckt.

Auch viele der alten Deiche, die einst gebaut wurden, sind heute nicht mehr zu sehen: Im Lauf der Jahrhunderte wurden sie überpflügt oder abgegraben, um das Material für neue und höhere Deiche zu verwenden, berichtete Ey. Allein in den Grafiken des Instituts sind diese zerstörten Deiche noch eingearbeitet.

Ein erhaltener alter Deich ist der vermutlich aus dem 14. Jahrhundert stammende, parallel zur Küstenlinie verlaufende „Altendeich“ an der Straße zwischen Hooksiel und Horumersiel. Er markiert die Landgewinnungsmaßnahmen, die seit dem Frühen Mittelalter zur Verlandung der Crildumer Bucht führte.

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