Schortens Der unvergessene Schauspieler Otto Sander, Fernseh-Legende Hans Joachim Kulenkampff, die inzwischen leider verstorbene Loriot-Partnerin Evelyn Hamann und auch Inge Meysel, die einstige „Mutter der Nation“, Kabarettist Dieter Hildebrandt oder Volksschauspielerin Heidi Kabel: Wer die Künstlergarderoben im Bürgerhaus Schortens betritt und den Blick schweifen lässt, kann sie alle sehen – auf Veranstaltungsplakaten, die im Laufe der Jahre etwas Gilb angesetzt haben. Große prominente Namen aus Fernsehen, Theater und Showgeschäft. Sie alle waren hier.

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt vom Gang hinter die Kulissen, die mit Veranstaltungsplakaten aus drei Jahrzehnten tapeziert sind.

100 000 Gäste im Jahr

30 Jahre wird das Schortenser Bürgerhaus nun alt. Hervorgegangen aus dem früheren Dorfgemeinschaftshaus, bezahlt von den „Mercedes-Millionen“ aus Roffhausen, am Ende teurer als geplant und daher politisch lange umstritten, aber längst der gesellschaftliche und unverrückbare Mittelpunkt der Stadt. 40 Gruppen und Vereine nutzen das Haus regelmäßig für ihre Treffen. Gewerkschaften, Unternehmen, Parteien und Verbände buchen es für Tagungen, Kongresse und Messen. Ausschüsse, der Stadtrat und gelegentlich der Kreistag tagen hier. Die Stadtbücherei ist hier beheimatet, Künstler stellen aus. Die Stadt nutzt es für Empfänge – wie am morgigen Sonntag zum „Stelldichein zum neuen Jahr“.

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Und natürlich ist das Bürgerhaus Schortens’ ganz große Bühne: Schulen, Chöre, Orchester und die Heimatbühne treten hier auf. Konzerte-, Theater- und Kabarettveranstaltungen mit allerhand Prominenz füllen das Haus. Mehr als 100 000 Besucher gehen hier jährlich ein und aus, sagt Uwe Burgenger (59), der das Haus mit seinem kleinen Team zu einem Haus von überregionalem Bekanntheitsgrad gemacht hat.

„Es war vor 30 Jahren eine gute Entscheidung der damaligen Gemeinde Schortens, dieses Haus zu planen und zu bauen“, sagt Burgenger. Es ist ein Haus für die Bürger geworden und geblieben.

Der Durchbruch gelang 1989 mit dem bajuwarischen Kabarettisten Gerhard Polt & Biermösl Blosn. „Dem habe ich jahrelang hinterhertelefoniert“, erinnert sich Uwe Burgenger, der 1989 aus Nordenham nach Schortens kam und die Leitung des Bürgerhauses übernahm. Anfangs wurde das Kulturprogramm im Rathaus nebenbei miterledigt – was sich als wenig erfolgreich erwies. Mit Burgenger und seinem Team wurden das Haus und sein Programm immer professioneller. Das legendäre Golden Gate Quartett, die Glenn Miller Revival Band oder auch Champion Jack Dupree feierten hier beifallumtoste Erfolge.

Gezielt Lücken gesucht

Der erste Kabarettist auf der Bürgerhaus-Bühne war Thomas Freytag. Für acht Mark Eintritt trat er auf und kam noch viele Male wieder. Denn der Einheitseintritt wurde schnell abgeschafft, weil „viele Namen mit acht Mark eben nicht zu bezahlen sind“, wie Burgenger den Ratsvertretern plausibel machen konnte. Urban Priol, Dieter Nuhr, Georg Schramm, Mathias Richling, Ingo Appelt, Volker Pisper und viele weitere folgten bald.

Das Haus suchte gezielt die Lücken, die im Kulturangebot der Region noch nicht besetzt waren und etablierte sich bald zum Kleinkunst- und Kabarett-Klassenprimus und zu einer der bekanntesten Adressen hierzulande. Inzwischen hat das Programm 820 feste Abonnenten. Gäste kommen aus dem gesamten Nordwesten nach Schortens.

30 Jahre sind aber auch am Bürgerhaus selbst nicht spurlos vorübergegangen: „Am Haus muss nun dringend was getan werden“, sagt Burgenger. Gastronomie, Technik, Foyer, Raumaufteilung... Die notwendige Bürgerhaus-Sanierung ist inzwischen auch in der politischen Beratung.

„Dass wir dieses Niveau und diesen Ruf mit dieser kleinen Mannschaft hinbekommen haben, darauf sind wir hier alle sehr stolz“, sagt Burgenger. Seit zehn Jahren habe das Bürgerhaus den Zenit erreicht. „Es ist schwer genug, diesen Standard zu halten“, sagt Burgenger. „Aber wir arbeiten jeden Tag daran.“

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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