Schortens /Jever Als Autor Salim Alafenisch zu seiner Familie in die Negev-Wüste flog, hatte er ein mulmiges Gefühl im Bauch. „Ich war das schwächste Glied in der Kette, durch meine Studien in Europa zweifelte ich, im Gegensatz zu meinem Bruder und meinem Cousin, an der Richtigkeit der Feuerprobe“, sagt er.

Rund 40 Schüler des Mariengymnasiums in Schortens hören am Freitag gespannt zu, als Alafenisch erzählt. Die Feuerprobe sei nötig geworden, um zu beweisen, dass seine Familie, als im Nachbarzeltlager ein Mord geschah, die Täter nicht gesehen hatte, sagt Alafenisch.

Eine schlaflose Nacht stand ihm bevor und am kommenden Morgen sollte mit der Feuerprobe die Wahrheit bewiesen werden. Dazu wurde eine Pfanne so stark erhitzt, dass sie knallrot glühte. „Dann sollte mein Bruder dreimal daran lecken, wenn seine Zunge unversehrt bleibt, dann sprechen wir die Wahrheit“, so Alafenisch.

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Die Zunge des Bruders blieb unversehrt, die Familie hatte nach dem Recht der Feuerprobe die Wahrheit gesagt. „Warum die Zunge?“, fragt Alafenisch die Schüler. „Wir Araber glauben, dass die Zunge direkt mit dem Herzen verbunden ist.“

Aber auch im deutschen Sprachraum gebe es Vergleichbares: „Das Herz auf der Zunge tragen“, oder „für jemanden die Hand ins Feuer legen“. Alafenisch zufolge ist die Feuerprobe in vielen Kulturen verbreitet gewesen, auch in Deutschland. In manchen Kulturen gibt es sie bis heute.

Autor Salim Alafenisch erzählte rund vier Stunden im Rahmen der 2. Horumersieler Literaturtage nicht nur aus seinen Büchern, sondern auch aus seinem Leben. „Wie sind sie Autor geworden?“, fragt ein Schüler. Alafenisch berichtet von seinem Traum und seiner Hoffnung. „In meiner Fantasie dachte ich, die ganze Welt will meine Bücher lesen.“

Dass nur ein Teil sie lese, sei nicht schlimm, denn er wolle mit seinen Geschichten vermitteln zwischen der Kultur des Morgen- und des Abendlandes. „Ich will der Gesellschaft etwas zurück geben“, meint er. Nachdem er in Nazareth das Gymnasium besuchte, folgten Studien-Aufenthalte in London und Heidelberg, wo er heute noch lebt. „Und eines Tages“, so Alafenisch, „beschloss ich Autor zu werden.“

Während Alafenisch in Schortens spricht, geben Autorin Judith Hermann und Malerin Karin Mennen im Rahmen der Literaturtage ein Seminar für den Deutsch-Leistungskurs von Lehrerin Anja Belemann-Smit des Mariengymnasiums Jever in Schillig. Wer aus dem Fenster blickt, kann das Meer sehen. Im Raum baumelt eine Wäscheleine, an der verschiedene Wörter auf Papier geschrieben hängen. Dort steht etwa „Glitzern“, „Wagemut“, „Wunder“ oder „aquamarin“.

18 Schülerinnen und Schüler stehen an Tischen und bemalen Leinwände mit Farbe. Alle haben die gleiche Aufgabe: Malt das, was ihr mit Wasser oder dem Meer assoziiert.

Zunächst kümmert sich Karin Mennen um die Gruppe. Es geht um den Ausdruck von Gefühlen und Gedanken.

Als die Leinwände fertig sind, ergreift Judith Hermann das Wort. Die in Berlin lebende Autorin, die bisher drei Bücher veröffentlichte, sagt: „Schreiben findet im Kopf statt. Ihr müsst die Bilder aus dem Kopf auf das Papier bringen.“ Sofort machen sich die Schüler an die Arbeit. Es gibt keine Grenzen, die einzige Vorgabe ist, dass sie ihre Geschichten und Gefühle zum Thema „Schwimmen“ aufschreiben sollen. „Worte sind beim Schreiben das, was Farben beim Malen sind“, sagt Hermann.

Später werden die Leinwände zu Flaggen und an einem langen Ast befestigt. Sie enthalten ein Wort, dass die Schüler von der Leine genommen und ihren Texten zugeordnet haben. Am Strand wehen die Flaggen im Wind. Die Schüler tragen ihre Texte vor.

Finanziell wurde der Leistungskurs vom Verein der Ehemaligen des Mariengymnasiums unterstützt – und hatte deswegen die Möglichkeit erhalten, an dem Workshop teilzunehmen.


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