Grabstede Mächtige, alte Eichen und Buchen stehen links und rechts des Weges. Es ist ruhig an diesem Morgen. Ein leichter Wind weht durch das Geäst. Waldeigentümer Hartmut Kaempfe bleibt an einem Baum stehen. „Jeder Baum hat eine Nummer“, sagt der Land- und Forstwirt. So könne sich jeder Besucher anhand eines Planes orientieren. Nur erahnen lässt sich auf den ersten Blick, dass sich unter dem Erdboden eine Ruhestätte befindet. „Hier spielt die Natur die große Rolle“, erzählt der Betreiber des Ruheforstes am Rande von Osterforde.

Vor zwei Jahren eröffnete Hartmut Kaempfe den Ruheforst Klosterhof Grabhorn. Er liegt inmitten der weiten Geest- und Marschlandschaft der Gemeinde Bockhorn. Es ist der einzige Ruheforst in der Friesischen Wehde.

Der Klosterhof Grabhorn blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sein „herrschaftliches Eichenholz“ gehörte zum Kloster Bredehorn. Im 13. Jahrhundert wurde es von Mönchen des Johanniterordens errichtet und prägt noch heute die umgebende Landschaft. Träger des Ruheforstes ist die Gemeinde Bockhorn. Die „Ruheforst GmbH“ mit Sitz in Erbach hat Marketing und Rechtsberatung übernommen. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen begleitet den Unterhalt der Einrichtung.

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Bestattungskultur

„Viele Leute entscheiden sich bewusst für diesen Bestattungsort“, sagt Hartmut Kaempfe. Die Bestattungskultur habe sich gewandelt. Heute wohnten viele Kinder auswärts und nicht mehr in der Nähe ihrer Eltern und Großeltern, nennt er einen entscheidenden Grund für die Wahl. „Hier gibt es keine Grabpflege. Das übernimmt die Natur.“ Auch Auswärtige, die als Urlauber die Gegend kennengelernt haben, wollen im Ruheforst bestattet werden, so Hartmut Kaempfe. Eingebettet in den Kreislauf der Natur wird die Asche der Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne statt in einem Grab, in einem sogenannten Ruhebiotop beigesetzt.

Dazu zählen Bäume, Gehölz-Gruppen, Baumstubben oder Findlinge. Grabsteine gibt es nicht, auf Wunsch tragen die Bäume eine Namenstafel mit eingravierten Namen, Geburts- und Sterbedatum des Verstorbenen.

Entlang des Weges finden sich immer wieder Bänke. „Die Angehörigen bringen oft Wolldecken mit“, sagt Hartmut Kaempfe. Dann sitzen sie auf der Bank und fühlen sich ihren Liebsten ganz nah. Manche Angehörige würden täglich den Ruheforst besuchen, berichtet der Waldeigentümer. Andere wiederum verbinden ihren Besuch mit einem Spaziergang. Der Ruheforst ist frei zugänglich. Unabhängig von seiner Konfession und Herkunft steht er jedem als letzte Ruhestätte offen.

Greifbarer Ort der Trauer

Doch längst nicht für jeden kommt diese Form der Bestattung in Frage. Viele Trauernde brauchen eine Grabstelle mit Grabstein als greifbaren Ort der Trauer, an dem sie Blumen und Kränze niederlegen können.

Um die Bäume herum sind bis zu zwölf Grabstellen kreisförmig angeordnet. Dort können einzelne Personen, Familien und Freunde beigesetzt werden. Für bis zu 99 Jahre können Angehörige den Platz erwerben. Familienbäume sind mit einem blauen Band gekennzeichnet und Gemeinschaftsbäume mit einem gelben Band.

Es geht weiter entlang des 2,5 Kilometer langen Rundweges durch den Ruheforst. Die Wege seien so gestaltet, dass Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren diese ohne Probleme befahren können, sagt Hartmut Kaempfe. Er führt zu einer Baumgruppe mit Blick auf das weite Feld. „Dies ist das Regenbogenbiotop“, sagt er. Früh- oder totgeborene Kinder haben unter dem Schutz des Waldbodens ihre letzte Ruhe gefunden. Solche Trauerfälle seien besonders schwer, erzählt er. Auch für ihn selbst.

Auf einer Lichtung liegt ein Andachtsplatz mit Holzkreuz und Sitzbänken sowie eine offen gestaltete Andachtshalle aus Holz. Dort können die Angehörigen Abschied nehmen und Trauerfeiern abhalten. Die Andachten könnten sowohl Pastoren, Bekannte, als auch freie Redner übernehmen, erklärt Hartmut Kaempfe. „Jeder gestaltet es so, wie er es möchte.“

Drei Hektar ausgewiesen

Zwischen den alten Bäumen hat der Land- und Forstwirt auch wieder junge Bäume gepflanzt. Wenn ein Baum durch den Sturm umstürzt, werde direkt daneben ein neuer Baum gepflanzt, erklärt Hartmut Kaempfe. Bislang werden drei Hektar für den Ruheforst bewirtschaft, fast 15 Hektar können insgesamt für Urnengräber genutzt werden. Hartmut Kaempfe möchte den Ruheforst in diesem Jahr erweitern und ihn um einen zweiten Andachtsplatz ergänzen.

Melanie Jepsen Varel / Redaktion Friesland
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