SCHORTENS Der eine ascht auf den Teppich, der andere schamponiert ihn: Das „seltsame Paar“ Oskar und Felix hat auch in der Ohnsorg-Inszenierung nichts von seiner Komik verloren.

von Oliver Braun SCHORTENS - „Hör endlich auf hier sauber zu machen, ich bin noch nicht fertig mit Dreck machen.“ Oskar hat die Nase gestrichen voll vom pingeligen Felix. Seit kurzem wohnt der gerade von seiner Ehefrau hinausgeworfene Reinlichkeitsfanatiker und Hypochonder vorübergehend bei seinem schlampigen Freund, jetzt geht er ihm mit seinem Putzfimmel, Kochkünsten und enervierenden Geräuschen beim Ohrenauspusten ganz gewaltig auf die Nerven.

Sportreporter Oskar und der Nachrichtenredakteur Felix sind trotz beruflicher Berührungspunkte ein ungleiches, ein „seltsames Paar“. In der gleichnamigen Komödie von Neil Simon begeisterten 1968 die unvergessenen Jack Lemmon und Knittergesicht Walter Matthau; in den 70er Jahren gingen Tony Randall und Jack Klugman mit der Filmvorlage in der „Männerwirtschaft“ in Serie.

Jetzt hat Meike Harten für das Ohnsorg-Theater den herrlichen Boulevard-Stoff auf Plattdeutsch inszeniert und die Komödie zurück auf die Theaterbühnen gebracht. Mit „Een snurrig Poor“ begeisterte die Hamburger Bühne das Publikum im gleich zweimal ausverkauften Bürgerhaus. Herrlicher Wortwitz und brillante Situationskomik gehen in diesem Comedy-Klassiker einher mit der Erkenntnis, dass übertriebene Reinlichkeit und Wahnsinn nahe beieinander liegen.

Die in den 60er Jahren platzierte Geschichte spielt in Oskars unordentlichem Apartment Dort trifft er sich allwöchentlich mit seinen Kumpels zur Pokerrunde. Es wird geraucht und auf den Teppich geascht, Bier verkleckert und viel zu selten gelüftet.

Das ändert sich schlagartig, als der pingelige Felix einzieht. Um den sensiblen Familienmenschen vor Dummheiten zu bewahren, nimmt Oskar den obdachlosen Freund bei sich auf. Sofort fängt er an, dessen Leben gründlich durcheinander zu bringen – oder besser: aufzuräumen.

Es dauert nicht lange, da glänzt die Wohnung wie die Glatze von Meister Proper. Wo die Pokerfreunde einst die Füße auf den Tisch legten, kommt jetzt Felix, der Fleck-Entferner und Teppich-Schamponierer, mit Kittelschürze und Servierwagen angerollt, kredenzt leckere Schnittchen und besteht auf Untersetzer für die Gläser: „Sonst gibt es Ringe auf dem Tisch!“ Als Felix später mit einem Weinkrampf ein von Oskar verabredetes Rendezvous mit zwei Nachbarinnen vermasselt, wirft der ihn hochkant hinaus . . .

Die Komödie lebt von den herrlich aufspielenden Streithähnen Manfred Bettinger (Felix) und Till Huster (Oskar). Die Pokerfreunde Hannes (Robert Eder), Jochen (Erkki Hopf) und Max (Frank Grupe) sind ebenso exzellent besetzt wie die überkandidelten Nachbarinnen (Beate Kuipel und Meike Meiners).

Es war wieder ein pures Vergnügen, der Ohnsorg-Garde zuzuschauen, an deren Ende beide Helden voneinander fürs Leben lernen. Am Schluss hat Felix sicher noch den Boden im Bürgerhaus gebohnert.

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