Borgstede Der eine hält die Schablone fest, der andere zückt die Sprühdose und legt los. Sekunden später prangen die Initialen an der Wand in der Schule. In der Graffiti-Szene nennt man das „taggen“, Beispiele dafür findet man an fast jeder Autobahnbrücke. In der Schule in Borgstede ist jetzt der gesamte Eingangsbereich voller Farbe und „Tags“. Hier waren allerdings keine Schmierfinken am Werk, die nachts im Kapuzenpulli die Wände beschmieren, sondern die Schüler in der Grundschule Borgstede – und das ganz legal und unter Anleitung von Jesse Himme, seines Zeichens Graffiti-Künstler aus Bremen.

Die Grundschule in Borgstede ist Teil der Von-Aldenburg-Schule, die zum Waisenstift gehört. 32 Kinder besuchen dort die Förderschule – und die wurden alle in das Kunstprojekt mit einbezogen.

Eine ganze Woche lang machte sich Jesse Himme mit den Schülern daran, die Wände der Schule zu besprühen. Wie das Ganze am Ende aussehen soll, hat der Graffiti-Künstler dabei keineswegs allein entschieden, sondern von Anfang an die Kinder mit einbezogen. „Es soll schließlich ihr eigenes Werk sein, dass sie selbst gestalten“, erklärt er.

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Dahinter steckt auch ein pädagogischer Gedanke, wie Claudia Preuß, Leiterin des Waisenstifts erklärt: „Es ist uns ja auch wichtig, wie die Kinder mit der Schule umgehen – und damit können sie sich total identifizieren.“

Aber was zeigen denn nun die fertigen Kunstwerke, die sich die Schüler ausgedacht haben? „An der einen Wand haben wir fröhliche Kinder, die zur Schule gehen“, erklärt Jesse Himme. An der anderen Wand wiederum sind Kinder zu sehen, die fröhlich von der Schule nach Hause gehen – nicht etwa, weil sie froh sind, dass die Schule endlich vorbei ist, sondern weil sie ihnen Spaß gemacht hat. „Die Kinder haben gesagt, dass sie gern hier zur Schule gehen und wollten deshalb auch alle diese Motive“, erklärt Jesse Himme.

Anders, als es bei den Initialen war, entstanden die Kunstwerke aber frei Hand – natürlich unter Anleitung des Profis, der im Zweifel noch ein bisschen ausbessert. Eine besondere Herausforderung bestand darin, die unterschiedlichen Altersklassen alle unter einen Hut zu bringen. „Die jüngsten sind kaum in der Lage, den Sprühkopf zu drücken, die älteren können das, aber schaffen es nicht, eine gerade Linie zu ziehen“, sagt Jesse Himme. Mit etwas Anleitung klappt es dann doch – und die Schüler haben ein Erfolgserlebnis.

Dabei haben die Sprühdosen doch einen schlechten Ruf und werden meistens mit Vandalismus in Verbindung gebracht. „Ich weiß das natürlich, aber die Akzeptanz ist größer geworden. Es wird mittlerweile als Kunst anerkannt“, sagt Jesse Himme. „Die Sprühdose ist ein wunderschönes Medium. Das hier hätten wir mit einem Pinsel niemals hinbekommen.“ Und gerade durch solche Aktionen merkten die Kinder auch, was man alles mit der Sprühdose machen kann. „Und das geht nicht nachts im Dunkeln, wenn ich damit rechnen muss erwischt zu werden.“

Möglich gemacht hatte die Graffiti-Aktion an der Schule eine Spende in Höhe von 2500 Euro, die der Oldenburgische Generalverband an den Waisenstift überreichte.

Christopher Hanraets Redakteur / Redaktion Varel
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