Jever Ganz im Zeichen jagdpolitischer Debatten auf Landes-, Bundes- und Europaebene stand die Jahreshauptversammlung der Kreisjägerschaft Friesland in Jever: „Jagd bedeute heute eben nicht nur Regulierung von Beständen, sondern vor allem Erhalt einer artenreichen Natur. Umwelt- und Naturschutz sind weiterhin zentrale Aufgaben der Jäger“, sagte Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen vor ca. 150 Jägern. Vorab schlenderten sie durch die Hegeschau, tauschten sich aus und bestaunten die Trophäen aus dem zurückliegenden Jagdjahr.

Für den ehemaligen Kreisjägermeister Elimar Becker hatte die Kreisjägerschaft eine besondere Ehrung parat: Becker wurde für seine Verdienste mit der Silber-Nadel ausgezeichnet.

Gutes Miteinander

Jevers Bürgermeister Jan Edo Albers hob das gute Miteinander von Stadt und Jägerschaft hervor, das sich auch am Brüllmarkt zeige. Trotz immer neuer Vorschriften sollten sich die Jäger bei ihrem Einsatz für Natur- und Umweltschutzs nicht entmutigen lassen. Wilhelmshavens Bürgermeister Uwe Reese würdigte die Hegeleistungen und zeigte sich überrascht über den Wildbestand in Wilhelmshaven.

Über eine kooperative Zusammenarbeit der Landkreisämter mit der Jägerschaft, berichtete Landrat Sven Ambrosy. Miteinander am runden Tisch zu reden, sei ein Erfolgsmodell – dazu gehöre die Beratung der Jäger bei der Aufstellung des Landschaftsrahmenplans.

Landesvorsitzender Helmut Dammann-Tamke kritisierte die jagdrechtliche Gesetzgebung: „Wir sind eine anerkannte Umweltschutzorganisation, werden aber nicht so wahrgenommen“, sagte er. Als Beispiele nannte er die Kritik an der Bejagung des Fuchses zum Schutz der Bodenbrüter, aber auch, dass Pflege und Pflanzung von Feldgehölzen und die Anlage von Blühstreifen durch die Jägerschaft nicht anerkannt würden. Und dass sich die Jäger darum kümmern, dass Schäden durch Wild begrenzt seien und Fallwild von der Straße beseitigt wird, werde ebenfalls kaum gewürdigt.

Kritisch betrachte er das Totalverbot bleihaltiger Munition „Bleifreie Munition tötet nicht immer tierschutzgerecht“, sagte er. Natürlich sei man nicht gegen ein Verbot, jedoch würden auf dem Rücken der Jäger derzeit ungerechtfertigte Diskussionen ausgetragen. Sollte die Landesregierung das Verbot der Schallminderer aufheben, müsse das für alle gelten und nicht nur für Berufsjäger und Förster, so Dammann-Tamke.

Als wildbiologisch nicht nachvollziehbar und wissenschaftlich nicht fundiert begründbar bezeichnete er die Intervalljagd in Vogelschutzgebieten, die die Überpopulation der Gänse begünstige. Dammann-Tamke forderte, dass weniger ideologisch und viel mehr sachorientiert entschieden werden müsse. Denn während einst die Bejagung vieler Arten fast zu Ausrottung geführt hat, führe heute ein überzogener Schutz zu heftigen Konflikten mit der betroffenen Landbevölkerung. Erforderlich seien Vernunft und Augenmaß.

Zu viel Fallwild

In einem Umfeld, das sich der Natur und den natürlichen Abläufen immer mehr entfremde, wird es mit der Jagd und ganz speziell mit der Niederwildjagd schwieriger, prognostizierte Irp Memmen, Vorsitzender der Jägerschaft Wilhelmshaven Friesland. Weitere wichtige Aspekte seien daher auch die Zusammenarbeit mit Land- und Forstwirten sowie Grundstückseigentümern, um „flächendeckend Lebensraum zu verbessern“.

Die Zahl der Rehwildunfälle ist in Friesland und Wilhelmshaven nach zwei Jahren Rückläufigkeit nun wieder auf 281 gestiegen, berichtete Memmen. Er forderte die Revierinhaber zur rechtzeitigen Bejagung mit konsequentem Abschuss auf.

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