Jeverland Sie sind noch topfit, verstehen eine Menge vom Lösch-Handwerk, haben Routine – und fühlen sich noch viel zu jung für die Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr. Doch mit 63 Jahren ist für Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren eigentlich Schluss mit dem aktiven Dienst.

Anhebung der Altersgrenze

Weil besonders in ländlichen Regionen Einsatzkräfte fehlen, will das Innenministerium den „Renteneintritt“ für die Freiwillige Feuerwehr auf 67 Jahre heraufsetzen. Einen entsprechenden Antrag haben die Fraktionen von SPD und CDU im Landtag am 20. Februar gestellt.

Niedersachsen liegt mit der neuen Altersgrenze im Mittelfeld der Bundesländer: Während in manchen Ländern – insbesondere in den Stadtstaaten – schon mit 60 Jahren Schluss ist, gelten in anderen Ländern Grenzen von 63 sowie von 65 Jahren und in Schleswig-Holstein 67 Jahre.

Johannes Behrends und Gerd Wilken aus der Ortswehr Cleverns rücken dennoch weiter mit aus, wenn der Melder Alarm schlägt: Die beiden nutzen die seit 2012 in Niedersachsen geltende Regelung „63 plus“: Sie ermöglicht, dass auch Einsatzkräfte über die Altersgrenze hinaus weiter Dienst tun, wenn ihre gesundheitliche und psychische Verfassung dies zulässt.

Ärztliches Attest nötig

Nach diesen Vorgaben werden in Jever drei Kameraden jenseits der 63 weiter für Einsätze herangezogen. Der zuständige Feuerwehrarzt stellt dafür jedes Jahr fest, ob sie gesundheitlich für Einsätze tauglich sind. Der Ortsbrandmeister und der Gruppenführer beurteilen zudem regelmäßig die fachliche Eignung, erklärt Stadtbrandmeister Olaf Rieken.

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Laut ärztlicher Untersuchung ist Johannes Behrends, der am 21. Februar offiziell aus dem aktiven Dienst bei der Ortswehr Cleverns entlassen wurde, voll tauglich für den Einsatz als Atemschutzgeräteträger. „Oft ist die Fitness nicht eine Frage des Alters“, sagt Cleverns’ stellvertretender Ortsbrandmeister Erik Reck. Und das gilt auch für Gerd Wilken – im Herbst hatte er die Altersgrenze erreicht. Auch ihm bescheinigt die ärztliche Untersuchung, dass er ausreichend fit für Einsätze ist. Und so rückt er ebenfalls weiter aus.

Weil besonders in ländlichen Regionen zunehmend Feuerwehr-Einsatzkräfte fehlen, will das Innenministerium Niedersachsen den „Renteneintritt“ für den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr auf 67 Jahre heraufsetzen. Dadurch soll Freiwilligen Feuerwehren, die vom demografischen Wandel besonders betroffen sind und denen Nachwuchs fehlt, ermöglicht werden, die Sollstärke zu halten. Auch das Niedersächsische Brandschutzgesetzes soll entsprechend angepasst werden.

Bei einer entsprechenden Umfrage des Innenministeriums bei den Kreisfeuerwehrverbänden im Land hatten 60 Prozent für eine Anhebung der Altersgrenze gestimmt.

„Grundsätzlich begrüße ich die Regelung, dass Kameraden bis zum 67. Lebensjahr im aktiven Dienst bleiben können“, sagt auch der Schortenser Stadtbrandmeister Egon Onken. Denn durch Vorruhestandsregelungen und Rente mit 63 sind viele zu Hause und könnten der Feuerwehr noch vier Jahre zur Verfügung stehen. „Es ist ja auch kein Muss, bis 67 aktiv zu bleiben. Das ist jedem selbst überlassen, wann er in die Altersabteilung wechselt“, sagt Onken.

Der Kreisfeuerwehrverband Friesland gehörte allerdings zu den Feuerwehren in Niedersachsen, die sich bei der Umfrage des Landesfeuerwehrverbands gegen die 67er- Regelung entschieden hat, berichtet Kreisbrandmeister Gerd Zunken. Auch der Vorstand des Oldenburgischen Feuerwehrverbands hält die Anhebung auf 67 Jahre für „verantwortungslos“, weil sie gesundheitliche Risiken berge. Und der Ostfriesische Feuerwehrverband sprach sich ebenfalls gegen die Anhebung aus.

Tagesverfügbarkeit

Die Führungskräfte beider Verbände fordern stattdessen, dass sich Kommunen kreativer darum bemühen, junge Feuerwehrleute am Ort zu halten. Zudem müssten öffentliche Arbeitgeber mehr als bisher ihr Personal in die Feuerwehren einbinden. Denn das Problem der Feuerwehren ist in der Regel, dass die Einsatzkräfte tagsüber nur schlecht verfügbar sind: Viele arbeiten außerhalb – und stehen für Einsätze nicht oder zeitverzögert zur Verfügung.

Wangerlands Gemeindebrandmeister Eike Eilers hält eine Altersgrenze für den aktiven Dienst in der Feuerwehr, die an die allgemeine Rentenalterregelung angepasst ist, ebenfalls für sinnvoll – auch wenn Wangerlands sieben Ortswehren davon erst einmal nichts hätten: „Das Durchschnittsalter unserer Feuerwehrmitglieder liegt zurzeit weit unter der Alters-Obergrenze. Doch das kann sich natürlich im Lauf der nächsten Jahrzehnte ändern“, sagt Eilers.

Der Clevernser Feuerwehrmann Johannes Behrends jedenfalls bedauert, dass die neue Obergrenze von 67 Jahren noch nicht Gesetz ist. Denn die Regelung „63 plus“ mit ihren jährlichen Untersuchungen und Beurteilungen ist für die Führungskräfte der Wehren recht schwammig.

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