Ellenserdammersiel /Zetel Diesen Tag im April 1945 hat Georg Eilers aus Zetel nicht vergessen. „Gegen Mittag kamen die Flugzeuge“, sagt er: „Zunächst habe ich die Fluggeräusche gehört und danach hat es auch schon geknallt.“

Der mögliche Fund von zwei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg bei den Bahnbauarbeiten in Ellenserdammersiel hat bei ihm die Erinnerungen wieder wach gerufen. Als 14-Jähriger hatte Georg Eilers am 1. April im dortigen Bahnhof eine Ausbildung bei der damaligen Reichsbahn begonnen.

Vor über 72 Jahren standen auf dem Bahnhofsgelände in Ellenserdammersiel zwei Kesselwagen gefüllt mit Erdöl. Diese wurden von Soldaten bewacht und waren Ziel der Flugzeuge. „Es gab dann mehrere Detonationen“, berichtet Georg Eilers. Dabei zerbarsten die Fenster des Raumes, in dem er sich befand. „Ich bin dann sofort unter meinem Schreibtisch in Deckung gegangen.“

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Als er aus dem Gebäude flüchtete, wurde er von seinen Kollegen in den nahegelegenen Erdbunker gerufen. „Dort lag bereits ein Soldat, der am Fuß und am Bauch verletzt war“, erinnert sich Georg Eilers an die blutige Uniform: „Er war von den Splitterbomben, die abgeworfen worden waren, getroffen worden.“

In der Aufregung entschied sich der junge Mann dann, mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren. „Ich habe etwas den Kopf verloren, denn es war ja das erste Mal, dass ich am Kampfgeschehen beteiligt war“, berichtet er. Dabei ist er auf seinem Weg entlang der Blauhander Straße nochmals beschossen worden. „Es kamen Tiefflieger.“ Er suchte sich Deckung hinter Holzkisten am Straßenrand.

Für seine Flucht hat er am nächsten Tag von den Kollegen im Bahnhof noch Ärger bekommen. „Hättest du doch wenigstens einen Zettel hinterlassen, schimpften sie“, sagt Georg Eilers. Denn er war nach dem Ende des Angriffs gesucht und nicht gefunden worden.

In der kommenden Woche wird untersucht, ob die gefundenen Metallstücke überhaupt Bomben sind. Sollte sich herausstellen, dass es Sprengstoff ist, werden die Blindgänger am Sonntag, 14. Mai, entschärft oder vor Ort kontrolliert gesprengt. Dazu wird im Radius von 1000 Metern um den Fundort herum evakuiert. 120 Personen müssten dann ihre Häuser und Wohnungen verlassen.

Ob die Blindgänger von dem Angriff im April 1945 stammen, kann Georg Eilers nicht mehr sagen. Nur so viel: „Damals gab es dort zwei Stellwerke“, erinnert sich der Zeteler. Eines lag ungefähr dort, wo der erste Fund an der Sielstraße geortet wurde. Das zweite etwas weiter Richtung Sande, wo die zweite Anomalie liegt. „Dort standen auch die beiden Kesselwagen.“

Nicht mehr in Erinnerung hat Georg Eilers indes, ob die beiden Erdöl-Kesselwagen bei der Bombardierung getroffen worden waren. „Das weiß ich nicht mehr. Es war einfach zu aufregend.“

Nach dem Krieg wurde er nicht in den Bahndienst übernommen. „Am 1. September habe ich die Kündigung erhalten. Weiter machen durften nur die Auszubildenden ab dem zweiten Lehrjahr.“ Anschließend wurde er Großhandelskaufmann.

Der Blaulichtblog für den Nordwesten

Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.) / Redakteur
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.