Ahlhorn /Cäciliengroden „Ihr habt das ja ganz gut überstanden“, flachst Dietrich Schmeidler. Tatsächlich ist er beim Wiedersehen doch gerührt. Vor 50 Jahren hat der 73-Jährige als Pilot der Luftwaffe Dieter Theilen (63) und seinen Freund und Cousin Peter Frerichs (62) mit dem Helikopter gerettet. Auch die beiden Männer aus Cäciliengroden suchen nach Worten, als sie ihrem Retter im Museum der „Traditionsgemeinschaft Fliegerhorst Ahlhorn“ gegenüberstehen. Zuletzt hatten sie den Stabsfeldwebel a.D. vor 25 Jahren gesehen.

Schwerer Flug im Nebel

Das Treffen am Sonntag hatte Dirk Schmeidler (48), Sohn des einstigen Piloten, angeschoben. Der Ahlhorner hatte in der NWZ  den Bericht über die Rettungsaktion vor 50 Jahren gelesen und dann telefonisch Kontakt geknüpft. Sein Vater, der inzwischen in Vechta lebt, sei ganz gerührt gewesen. Und auch Frerichs meint: „Ohne die NWZ  hätte dieses Treffen wohl nicht stattgefunden.“

Der eiskalte Winter 1963 ist allen noch gut in Erinnerung: Das Packeis hielt die Inseln im Griff. Wangerooge wurde mit Hilfe von Hubschraubern der Bundeswehr versorgt. Am 30. Januar gingen Theilen und Frerichs, damals zwölf und 13 Jahre alt, zum Spielen aufs Eis. „Wir wollten zum Leuchtturm Arngast“, erzählt Frerichs. Doch die Eisplatten gerieten gefährlich in Bewegung. Theilen rutschte ins eiskalte Wasser. Sein Cousin Peter zog ihn zu sich auf die tischplattengroße Eisscholle. „Und auf einmal war gut 20 Meter nur schwarzes Wasser hinter uns.“

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Die Kinder riefen um Hilfe. Längst war es dunkel geworden und eiskalter Nebel breitete sich aus. Frierend trieben die Jungs Richtung Meer. Erst nach 17 Stunden nahte Hilfe.

Auch Schmeidler kann sich gut erinnern: „Im Nebel war schwer zu fliegen“, so der Pilot, der schon bei der Flutkatastrophe 1962 in Hamburg viele Menschen gerettet hat. Gemeinsam mit Co-Pilot Erhard Schülzel, der bereits verstorben ist, sah er die Kinder auf der Scholle – und musste mit dem Hubschrauber wieder abdrehen. „Wir dachten, das war’s“, erzählt Theilen.

Rettungsgurt angelegt

Schmeidler klärt auf: Er musste erst die Rückwand des Helikopters (im Fachjargon „Blister“ genannt) auf dem Deich absetzen, um die Kinder aufnehmen zu können. Dann flog der gebürtige Berliner zurück und holte die Kinder mit Hilfe von Winde und Rettungsgurt an Bord. Die Abenteurer wurden ins Krankenhaus Sanderbusch gebracht, wo sie warme Decken und Essen erhielten. „An die frischen Brötchen kann ich mich erinnern“, so Frerichs. Pilot habe er aber später nie werden wollen, lacht der langjährige Bahn-Angestellte.

Peter Pasternak, Vorsitzender des Museumsvereins, und weitere Vereinsmitglieder zeigten den Gästen die Ausstellung. Auch Gisela Frerichs ist beeindruckt. Schmeidler holt das Modell eines Rettungshubschraubers vom Typ „Bristol Sycamore“ aus der Vitrine. „Da saßen wir damals drin.“ Mutig legt sich Frerichs sogar einen Rettungsgurt um, wie er sich auch an Bord des SAR-Hubschraubers befand. „Noch mal muss ich aber nicht vom Eis in die Höhe gezogen werden“, sagt der 62-Jährige. Das Trio trägt sich ins Gästebuch des Museumsvereins ein und verabredet ein Wiedersehen. „Ob wir das zum 100sten schaffen, kann ich nicht versprechen“, sorgt Ex-Pilot Schmeidler noch einmal für einen Lacherfolg.


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Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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