ZETEL Familie Frank betreibt einen kleinen Zirkus, der seit einigen Jahren ausschließlich in Nordrhein-Westfalen unterwegs ist. Das hat mit der Circusschule zu tun, die die Evangelische Kirche im Rheinland seit 1994 unterhält. Die Kinder aus den Zirkus-Familien werden dort von einem festen Lehrer unterrichtet, der mit einem zum Klassenraum umfunktionierten Wohnmobil zu den Zirkusfamilien kommt. Im Falle der Familie Frank – mit den drei Schulkindern Charlina (13), Sascha (11) und Chanel (8) – ist das der Lehrer Oliver Thier.

Kürzlich fand der Unterricht für einen Tag in der Gemeinde Zetel statt, weil zwei der drei Schulkinder der Familie Frank an einem Geschichtswettbewerb teilnehmen, und dafür die Geschichte ihres Großvaters Anton Franz recherchierten (die NWZ berichtete, siehe auch Bericht unten).

Zurzeit gastiert der Familienbetrieb in Dinslaken, wo die Franks bis zum 7. Januar dem Publikum Weihnachtszirkus bieten. Auch am Heiligabend war dort Vorstellung, bevor die Großfamilie im Restaurationszelt selbst Weihnachten feierte.

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Mutter Anja Frank hatte ihre Tochter Charlina (13) und ihren elfjähriger Enkelsohn Sascha (ein Sohn ihres schon verheirateten Sohnes) auf der Geschichtsfahrt nach Zetel begleitet. Charlina und Sascha beteiligen sich am Geschichtswettbewerb der Körberstiftung, für die der Bundespräsident die Schirmherrschaft übernommen hat. „Helden“ ist der Wettbewerb überschrieben, und für die Kinder ist klar: „Unser Opa ist der Held.“ Deshalb war die Familie Frank aus Dinslaken, wo der Zirkus gastiert, nach Zetel gekommen, um Spuren zu suchen und mit Zeitzeugen zu sprechen. Und Sascha ergänzt später beim Besuch im Zeteler Rathaus: „Weil der im KZ war. Und er sich eingesetzt hat für andere Menschen, obwohl sein Leben auf dem Spiel stand.“ So einen darf man wohl Held nennen, nur dass zu seinen Lebzeiten davon niemand etwas wissen wollte. „Er hat etwas daraus gemacht, er hat anderen Menschen geholfen und sich im Verband der Sinti und Roma engagiert, war in Schulklassen und hatte von seinen Erlebnissen

während der Nazi-Zeit berichtet“, erläutert Lehrer Oliver Thier.

Ein Zeitzeuge ist Herbert Schwanewedel, der als Junge mit den Kindern der Familie Frank in Bohlenberge zu Schule gegangen war. Mit den später im KZ umgekommenen Kindern Hans und Otto Frank hatte er die Schulbank gedrückt. Und er hat aus der Erinnerung gezeichnet, wie der Wohnplatz der Familie Frank ausgesehen hat. Orte, die die Familie Frank anschaut: die Grundschule in Bohlenberge, den ehemaligen Wohnplatz an der Horster Straße und die Gedenktafel für die Opfer von Gewaltherrschaft und Krieg an der Bohlenberger Straße. Und sie treffen auch Menschen, die an ihrem Schicksal und dem ihrer Familie interessiert sind: Religionslehrerin Ulrike Wagner, deren Schüler die Namen der Deportierten während der Einweihung der Gedenktafel laut genannt haben, Meike Kreutzburg, Rektorin der Grundschule Zetel-Bohlenberge, Rektor Manfred Bohlken, Bürgermeister Heiner Lauxtermann, Gemeinderat Bernd Hoinke und schließlich die Schüler der zehnten Hauptschulklasse, die ein wenig vom Schicksal der Familie

Frank erfahren haben. Das ist eigentlich eine traurige Geschichte, und manches von dem, was Charlina und Sascha über das Schicksal der Sinti herausgefunden haben, ist schrecklich. Aber ihr Opa war eine Art Held, und ihre Arbeit trägt dazu bei, dass er nicht vergessen wird.

Freilich stammen Sascha und Charlina aus einer Artistenfamilie, schon Urgroßvater Georg Frank oder ihre im KZ umgekommene Großtante Ella waren gute Akrobaten. Und deshalb führen sie dem Bürgermeister Lauxtermann im Sitzungszimmer ein paar Kunststücke vor: Sascha und Charlina machen Handstand. „So lange ich das nicht nachmachen muss, dürft ihr hier tun, was ihr wollt“, freute sich Lauxtermann.

Großvater

Anton Franz hatte

Menschen im KZ geholfen

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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