200 Jahre Gemeinnütziger
Er war ein wandelndes Lexikon

Der seriöse Herr mit der Baskenmütze galt als zurückhaltend und sensibel. Seine Gerichtsreportagen waren legendär.

Bild: privat/Heimatverein
Hans Robert Knopf (ovales Bild: Gemälde von Arthur Eden-Sillenstede/1964)Bild: privat/Heimatverein
Bild: privat
Der Presseausweis vom Hans Robert Knopf aus dem Jahr 1961.Bild: privat
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Varel „Kn“ stand einst vor vielen Berichten im „Gemeinnützigen“. Es ist neben „HRK“ das häufigste unter den Namenskürzeln, die Hans Robert Knopf verwendete. Von Anfang der 50er Jahre bis etwa 1970 beschrieb und kommentierte er als Mitarbeiter der NWZ das schon damals erstaunlich vielfältige und vitale Kulturleben in Varel.

Für den Verein für Kunst und Wissenschaft (Kuwi) sind die unzähligen Berichte und Rezensionen aus seiner Feder eine reiche Fundgrube. Sie vermitteln doch ein umfassendes Bild nicht nur von den Inhalten, sondern auch von der wissenschaftlichen beziehungsweise künstlerischen Qualität der Veranstaltungen, der Vortragsweise der Referenten und Künstler, der Atmosphäre im Veranstaltungssaal, der Besucherresonanz und von manchen Details am Rande.

Knopf ging seiner journalistischen Arbeit mit Leidenschaft und großem Engagement nach. Dabei drängte er sich als Autor nie in den Vordergrund. Stil-Artistik, die mehr der eigenen Selbstdarstellung dient und die Thematik, um die es geht, überlagert, war nicht seine Sache. Er sah sich vielmehr in der Rolle des kundigen Vermittlers und energischen Fürsprechers der kulturellen Aktivitäten und Bestrebungen in seiner Wahlheimat.

Menschen, die ihm begegneten, wie der Heimatvereinsvorsitzende Hans Georg Buchtmann und der frühere Kuwi-Schriftführer Horst Schiffhauer, charakterisieren den seriösen Herrn mit der Baskenmütze als zurückhaltend und sensibel. Was jedem, der mit Knopf ins Gespräch kam, sofort auffiel, war seine hohe Intelligenz und sein phänomenales Wissen.

Der Vareler Schriftsteller Gerd Lüpke schrieb: „Er wußte alles, aber auch wirklich alles über die gängigen Komponisten von Schütz bis Reger aus dem Kopf (…) – er war ein wandelndes Musiklexikon.“ Lüpke schildert auch die „Schallplatten-Abende“ in den ersten Nachkriegsjahren, zu denen sich „die bildungsbeflissenen Vareler der verschiedenen Grüppchen ganz zwanglos“ bei Hans Robert Knopf in der Haferkampstraße trafen, um „auf einem fast antiken Grammophon“ klassische Musik zu hören, begleitet von fachkundigen Erläuterungen des Hausherrn, der aufgrund seiner umfassenden Kenntnisse und seiner Detailverliebtheit zuweilen die Aufnahmefähigkeit der Gäste überforderte.

Die in der damaligen Vareler Kulturszene meinungsbildenden Rezensionen, die Knopf im „Gemeinnützigen“ veröffentlichte, beeindrucken sowohl durch das fachliche Niveau als auch die Plausibilität, mit der er seine Kritik begründete. Auch dann, wenn er – was selten vorkam – einen „Verriss“ schrieb, behielten seine Kommentare ihren konstruktiven Unterton.

Erstaunlich ist die Bandbreite der Themen, mit denen er vertraut war und die alle Bereiche der Künste und des kulturellen Lebens umfassten. Knopf konnte ebenso kenntnisreich und anregend über die Atomphysik schreiben wie über die wechselvolle Geschichte der Schlosskirchen-Orgel oder über Franz Radziwill, für dessen Kunst er sich bereits einsetzte, als der Maler noch ein Geheimtipp war.

Der Kulturberichterstattung Knopfs kam sicher zugute, dass er selbst kreativ tätig war, vor allem als Kunstgewerbler. So gestaltete er zum Beispiel, orientiert am Bauhaus-Stil, Entwürfe von Möbeln und anderen Gebrauchsgegenständen. Auch als Zeichner und Maler betätigte er sich, wobei er seine Sujets oft im Stadtbild Varels fand.

Die Bedeutung des musischen Diplom-Ingenieurs im Vareler Kulturleben wird mit seinem journalistischen Wirken nur zum Teil erfasst. Neben seiner Arbeit als Berichterstatter war er zudem als Ratgeber in Vereinen und bei den nicht gerade wenigen kulturellen Projekten im Nachkriegs-Varel sehr gefragt.

„Was er dabei sagte“, bekräftigt Gerd Lüpke, „hatte Hand und Fuß (...). Sehr viel tat er selbst, half gern und sachkundig bei den Vorbereitungen – aber stets nur hinter den Kulissen.“ Auch der Verein für Kunst und Wissenschaft, dessen Mitglied Knopf seit seinem ersten Aufenthalt in Varel Ende der 20er Jahre war, profitierte in vielfacher Weise von den profunden Kenntnissen und den vielfältigen Kontakten, die er zu Künstlern und Wissenschaftlern hatte.

Nicht vergessen werden darf eine ganz andere Sparte, in der sich Knopf journalistisch betätigte: Über viele Jahre war er auch der Gerichtsreporter für den „Gemeinnützigen“. Seine „Kriminal-Berichte“ aus dem Gerichtssaal dürften oft einen größeren Leserkreis gefunden haben als seine Artikel über kulturelle und wissenschaftliche Themen.

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