Schortens /Sande Wenn an diesem Donnerstag die städtischen Kinderkrippen und Kindergärten in Schortens sowie die beiden kommunalen Einrichtungen der Gemeinde Sande in Cäciliengroden und Neustadtgödens bestreikt werden und geschlossen bleiben, dann haben notgedrungen auch viele Eltern frei. Sie müssen sich selbst um die Betreuung ihrer Kinder kümmern.

streik in Kindergärten: Darum geht’s

Die Gewerkschaft Verdi steht mit den kommunalen Arbeitgebern in Tarifverhandlungen und fordert eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe. Dabei geht es auch um erhöhte Standards, was Gruppenstärken und Personalausstattung betrifft.

Eine Neuregelung der Eingruppierung ist weitere zentrale Forderung. Dies soll zu einer Erhöhung der Gehälter um durchschnittlich zehn Prozent führen.

Kindergärten und -krippen in kirchlicher Trägerschaft sind nicht betroffen.

Zum Beispiel der Ehemann von Katja Balke. Die Bauingenieurin aus Schortens, deren Sohn den Kindergarten Oestringfelde besucht, hätte sich zwar auch frei nehmen können, aber ihr Mann habe viele Überstunden angehäuft, von denen einige an diesem Tag abgebaut werden.

Verständnis für Forderung

„Bis heute morgen wussten wir noch nicht, wie wir unseren Sohn am Streiktag betreuen lassen und mussten uns kurzfristig mit unseren Arbeitgebern abstimmen. Freie Tage und Urlaub verbringen wir lieber als Familie, aber nun geht es eben mal nicht anders.“ Verständnis für die Forderungen der Erzieher und Sozialarbeiter habe sie, aber ein Notdienst für Eltern, die überhaupt nicht wissen wohin dann mit dem Kind, das wäre schon gut, meint Katja Balke.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Diese Notdienste wird es an diesem Donnerstag weder in Schortens, noch in Sande geben. Die Eltern müssen selber gucken, wie sie klarkommen. „Es ist auch niemandem geholfen, wenn es immer wieder Leute gibt, die das dann auffangen“, meint Kathrin Bracklow, Erzieherin und Integrations-Fachkraft am Kindergarten in Glarum. Sie hat an diesem Tag selber unentgeltlich frei und stellt klar, dass es ihren Kollegen keineswegs nur um bessere Bezahlung geht, sondern um verbesserte Standards etwa bei Größe der Regelgruppen, um Personalstärke und Ausstattung. „Wir kommen jeden Tag an unsere Grenzen“, sagt die Erzieherin. Hinzu komme, dass sich vor allem die Einstiegskräfte von dem Lohn überhaupt kein eigenes Leben aufbauen könnten.

Tatsache ist, dass die Gesellschaft den Menschen, die auf ihr Geld aufpassen, mehr bezahlt, als denen, die sich um ihre Kinder kümmern. Deshalb steht auch Stephanie Schulze voll und ganz hinter den Forderungen der Erzieher. Die Alleinerziehende arbeitet als Packhilfe und hat an diesem Donnerstag planmäßig frei. „Müsste ich heute allerdings arbeiten, dann hätte ich ein Problem, da die Großeltern selbst noch arbeiten und nicht als Notfall-Betreuungskraft einspringen können. Ich müsste mir notgedrungen Urlaub nehmen.“

Zentrale Kundgebung

Ob ein Streiktag die Wirkung erzielt, die sich die Erzieher erhoffen, da hat die alleinerziehende Mutter genauso wie Angelika Wolff Zweifel. Wolff, die noch stundenweise arbeiten geht, holt gerade ihre zwei Enkelkinder aus dem Kindergarten ab und stellt sich ebenfalls voll und ganz auf die Seite der Erzieher und deren Forderungen. Für den Warnstreik in den kommunalen Kindergärten muss im Hause Wolff niemand umplanen: „Bei uns ist immer jemand zuhause.“

Heike Rüdebusch, ebenfalls eine vom Warnstreik betroffene junge Mutter, hat das Glück, dass ihre Eltern in der Nähe wohnen: „Am Donnerstag passen Oma und Opa auf mein Kind auf, da ich arbeiten muss.“

Die Erzieher aus Schortens fahren ab 7 Uhr mit mehreren Fahrgemeinschaften nach Osnabrück. Die zentrale Kundgebung mit Erziehern aus dem ganzen Norden findet am Vormittag bei der Osnabrückhalle statt – dort werden an die 3000 Pädagogen zum Kongress „Kindheit bewegt“ erwartet.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.