Varel Vom Haupt- oder Realschulabschluss bis zum Studium – was zuerst so gut wie unmöglich oder zumindest sehr schwierig klingt, haben Maren Büsing und Benjamin Albers fast geschafft. Sie besuchen die Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Varel. Wenn sie dort die zwölfte Klasse abgeschlossen haben, haben sie die Fachhochschulreife in der Tasche und können damit an jeder Fachhochschule ein Studium beginnen.

Der 24-jährige Benjamin Albers startete mit einem Hauptschulabschluss und begann seine eigentliche Schulkarriere dann an der BBS. Als erstes meldete er sich für die Berufseinstiegsklasse an und machte seinen Hauptschulabschluss noch einmal, um ihn zu verbessern. Danach startete er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, fand dann aber nur eine Teilzeitanstellung und entschied sich daher, wieder zurück an die BBS zu gehen.

Teil fünf der NWZ-Serie

Die Nordwest-Zeitung stellt in Kooperation mit den Berufsbildenden Schulen in Varel junge Leute vor, die über die Schule den Einstieg in den Beruf geschafft haben. Gezeigt werden dabei die Karriere-Chancen, die sich durch die schulische Ausbildung bieten – auch für Schüler ohne Abschluss.

Teil 5 stellt Maren Büsing und Benjamin Albers vor. Die 23-jährige Maren Büsing besucht die zwölfte Klasse der Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung; der 24-jährige Benjamin Albers ist in der elften Klasse.

An der BBS Varel werden 1700 Schüler unterrichtet, davon 53 Prozent in Vollzeit, 47 Prozent lernen in Teilzeitschulformen. Das Kollegium besteht aus 110 Lehrern und Referendaren. Leiter ist Ralf Thiele. Interessierte können sich bei der BBS an der Stettiner Straße 3 unter Tel. 04451/95050 oder per E-Mail an info@ bbs-varel.de melden.

    www.bbs-varel.de

Mit seiner abgeschlossenen Berufsausbildung hätte er sogar gleich in die zwölfte Klasse gehen können, entschied sich aber, in der elften Klasse anzufangen. „Deutsch und Englisch waren leider nicht so mein Ding. Da will ich noch einiges nachholen“, erklärt er.

Um sein Ziel zu erreichen, muss Benjamin Albers ganz schön ackern. Weil er nicht mehr bei seinen Eltern lebt, muss er neben der Schule und am Wochenende arbeiten gehen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er hat eine Aushilfsstelle bei einer Discounter-Kette.

Die 23-jährige Maren Büsing entschied sich mit ihrem Realschulabschluss in der Tasche zuerst für die Berufsfachschule Wirtschaft an der BBS, orientierte sich dann aber um und ging zum Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) in den Fachbereich Metall und fing eine Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin an. „In der Klasse waren 36 Männer und ich als einzige Frau“, erzählt sie. Die Metallbranche ist eben eine Männerdomäne. Das sei „ganz schön anstrengend“ gewesen. Ganz abwegig sei der Beruf für sie aber nicht. Schließlich würden auch ihr Bruder und ihr Vater in der Branche arbeiten.

Dennoch: „Ich habe festgestellt, dass das nichts für mich ist. Das Fräsen ging immer ganz gut, aber das Drehen ging gar nicht“, erklärt sie. „Und weil mir 50 Prozent der Ausbildung damit im Grunde nicht gefallen haben, habe ich es dann doch gelassen.“ Stattdessen startete sie in der elften Klasse der Fachoberschule.

Auch wenn ja eigentlich nur ein Jahr dazwischen liegt, unterscheiden sich die elfte und die zwölfte Klasse der Fachoberschule ganz erheblich: Stehen in der elften Klasse nur zwei Tage Schule und drei Tage Praktikum in der Woche an, geht es in Klasse zwölf vollschulisch weiter. Das heißt, dass der Unterricht an fünf Tagen in der Woche stattfindet.

„In der zwölften ist die Vollzeitschule wieder ganz präsent“, sagt Bildungsgangsgruppenleiter Sven Heinen. „Wir wissen natürlich auch, dass viele unserer Schüler nebenbei arbeiten. Aber wir vergeben hier schließlich auch den zweithöchsten Abschluss."

Grundsätzlich sei der Unterricht aber auch an der Praxis angelehnt. Geht es im Unterricht um Produktionsprozesse steht auch schonmal ein Ausflug in den Betrieb an, wo sich die Schüler beispielsweise anschauen können, wie Fischstäbchen produziert werden.

Und wie geht es nach dem Abschluss der Fachoberschule weiter? „Ich möchte etwas im Bereich Marketing studieren“, erklärt Benjamin Albers. „Ich hab’ eine kreative Ader und weiß, wie man auffällt.“

Auch seine Schulkameradin will ihre Bildungskarriere an der Fachhochschule fortsetzen: „Ich habe mich an der FH in Wilhelmshaven über den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen informiert“, sagt sie. „Das klingt zwar schwer aber machbar und interessant.“

Christopher Hanraets Varel / Redaktion Friesland
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