Schortens Ein Alarm- und Weckruf aus den Grund schulen: „Wir scheitern in der Grundschule nicht am Unterricht, sondern wir schulen immer öfter Kinder ein, denen es an den Grundlagen fehlt“, klagte Sillenstedes Schulleiterin Claudia Bonkowske in dieser Woche im Schulausschuss Schortens und sprach damit ganz sicher auch für viele andere Grundschulen. Ihre Bitte an die Stadt Schortens auf Einrichtung einer Bufdi-Stelle (Bundesfreiwilligendienstler) machte die ganze Misere deutlich: Viele Kinder seien nicht in der Lage, sich die Schuhe zuzubinden. Sie benötigten Hilfe beim Naseputzen oder beim Gang auf die Toilette.

Krank zur Schule

Kinder von sechs, sieben Jahren können ganz alltägliche Dinge nicht. „Wir haben es immer mehr mit verhaltensauffälligen Kindern zu tun“, so Bonkowske. Kinder, die im Unterricht einen Wutanfall bekommen und trotzig aus der Klasse laufen. Kinder, die in den Pausen oder auf dem Schulweg durch tiefe Pfützen springen und dann nass in der Klasse sitzen. Das sei für sich genommen alles kein Riesendrama, aber die Lehrer müssen sich eben auch darum kümmern.

Hinzu kommt: Eltern schicken ihre Kinder krank zur Schule. „Wir müssen mitunter drei bis fünf Nummern abtelefonieren, um ein Elternteil zu erreichen, wenn das kranke Kind aus der Schule abgeholt werden muss“, sagt die Schulleiterin.

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Schulen müssten immer öfter ausbaden, was im Elternhaus versäumt wurde. „Aber für all diese Unterstützung ist die Schule nicht ausgestattet“, sagt Claudia Bonkowske. Es fehlt ganz einfach am Personal. Und an Zeit. Die Schulsozialarbeiterin sei nur einmal in der Woche einen Vormittag da. Verschärfend komme für Sillenstede hinzu, dass die Schulsekretärin krank ausfällt.

Was also tun? Für die Ratsvertreter im Schulausschuss stand fest: Der Schule muss geholfen werden. Den Kindern muss geholfen werden, die könnten schließlich nichts dafür. Parallel sollte aber bei der Landesschulbehörde der Druck erhöht werden.

Unten alles ausbaden

„Das Problem ist angekommen“, sagte Tobias Masemann (SPD). Er riet dennoch dazu, dringend das Gespräch mit dem Land zu suchen. Und Stephan Heiden von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) kritisiert: „Wir müssen mal wieder auf unterster Ebene ausbaden, was oben entschieden wurde.“ Für die CDU steht fest: „Wir unterstützen den Antrag. Und zwar für alle Schulen, die das wollen“, so Melanie Sudholz. Wolfgang Ottens von den Grünen warnte davor, dass Problem erst mal an die Landesschulbehörde abzuschieben: „Damit ist den Kindern nicht geholfen.“

Unterstützung für den Antrag der Schule auf eine Bufdi-Stelle also von allen Seiten. Allerdings: „Es ist zunehmend schwerer, Freiwillige zu finden“, dämpfte die Leiterin des Jugend- und Familienzentrums „Pferdestall“, Sandra Gudehus, allzu große Erwartungen. „Der Pferdestall hat zwar gerade einen Bufdi. Aber die Nachfrage nach diesen Stellen wird spürbar weniger.“

Im Mai kommt der Schortenser Schulausschuss wieder zusammen. Bis dahin erwarten die Ratsvertreter eine Antwort von der Landesschulbehörde.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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