Neuenburg Manchmal muss man einfach nur zuhören, Geduld haben, sich auf ein Kind einlassen. „Man kann unglaublich viel erreichen, wenn das Kind nur merkt: Da ist jemand, der hat Zeit für mich“, sagt Ulrich Fischer. Er ist einer von 120 Lesepaten in Varel und der Friesischen Wehde. Jede Woche verbringt er eine halbe Stunde mit einem Grundschüler und hilft ihm, lesen zu lernen. „Manchmal ist es ein bisschen so, als wäre ich der Großvater“, sagt Fischer. Lesepaten tun viel mehr, als den Kindern beim Lesenlernen zu helfen. Die Bürgerstiftung Varel/Friesische Wehde sucht jetzt wieder Ehrenamtliche, die Lust haben, diese verantwortungsvolle Aufgabe an den Grundschulen und weiterführenden Schulen in Varel und der Friesischen Wehde zu übernehmen.

Die Lesepaten verbringen mitunter nur eine halbe Stunde pro Woche mit ihrem Schützling, doch die Vertrauensbasis wächst von Mal zu Mal. Herbert Wilken-Johannes, ehemaliger Schulleiter und bei der Bürgerstiftung zuständig für die Lesepatenschaften, sagt: „Oft ist es so, dass die Kinder mit den Lesepaten auch über das sprechen, was sie beschäftigt, und das ist auch wichtig. Denn wenn sie ein Problem haben, ist es wie ein Knoten, der das Lernen hemmt.“ Seit zwölf Jahren betreut er das Lesepaten-Projekt der Bürgerstiftung – eine Erfolgsgeschichte.

„Lesen zu können bedeutet, lebensfähig zu sein. Es geht ja nicht nur darum, Bücher lesen zu können, sondern auch Formulare beim Arzt auszufüllen, beim Einkaufen die Zutaten lesen zu können, sich Informationen beschaffen zu können“, sagt Herbert Wilken-Johannes. Sechs Millionen Erwachsene können laut einer Studie der Universität Hamburg nicht lesen – weil sie irgendwann den Anschluss verpasst haben. Die Bürgerstiftung möchte verhindern, dass Kindern das passiert, und stellt ihnen die Lesepaten zur Seite.

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Tatsächlich falle es heute mehr Kindern schwerer, sich zu konzentrieren, Texte zu lesen und dabei zu verstehen, als vor Jahrzehnten, sagt Herbert Wilken-Johannes. „Ich habe meine erste Klasse vor 50 Jahren unterrichtet, und da fiel das den Kindern noch leichter, lesen zu lernen. Das liegt sicher auch daran, dass ihnen in der komplexen Welt mit den vielen Medien heute viel mehr durch den Kopf geht.“

Oft, sagt Wilken-Johannes, sei es für manche Kinder schon eine tolle Erfahrung zu merken: „Da nimmt sich jemand Zeit für mich, da kümmert sich jemand, da lobt mich jemand.“

Doch auch die Lesepaten selbst profitierten von ihrer Aufgabe. Der Lesepate Udo Egidius zum Beispiel sagt: „Man liest mit den Kindern Bücher, die man sonst nie lesen würde. Man lernt alles mögliche, über Raketen und Pferde zum Beispiel.“ Und natürlich sei auch manche Lektüre eine Reise in die eigene Kindheit. „Eines ist klar“, sagt Herbert Wilken-Johannes: „Man bleibt jung.“

Wer selbst Lesepate werden oder sich informieren möchte, kann sich bei Herbert wilken-Johannes unter Tel. 04451/3352 oder bei Egon Damrau unter Tel. 04453/6404 melden.

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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