Jever /Varel Bildung in der Nachkriegszeit – in Friesland war sie geprägt durch den Begriff Schulnot.

Bildung in der Nachkriegszeit

Es gab 1945 11903 Schüler, die in 200 Klassen von 97 Lehrern unterrichtet wurden. Von den Schülern stammten 2277 aus Flüchtlingsfamilien. Ihre Zahl stieg innerhalb der nächsten Jahre auf 4947 an (1950), bei einer Gesamtschülerzahl von 15935. Die wurden in 336 Klassen von 322 Lehrern unterrichtet. In den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg konnte nur ein Drittel bis zur Hälfte der Pflichtstunden unterrichtet werden. „Zudem musste im Winter der Unterricht monatelang ausgesetzt werden, weil die zugeteilte Brennstoffmenge nicht genügte“, erinnerte sich der Kreisschulrat Emil Fischer (Jever). Als Folge der Wissenslücken wurde 1949 die Verlängerung der Schulpflicht durch ein „angehängtes“ (verlängertes achtes) Schuljahr angeordnet. Einige Schüler wären sonst wegen des Unterrichtsausfalls in den Kriegsjahren nur 7,5 Jahre zur Schule gegangen. Erstmals wurden auch Sammelklassen an Mittelpunktschulen für die 9. Jahrgänge eingerichtet. Stolz berichtet Schulrat Fischer, dass von den 73 Volksschulen des Kreises 1950 nur noch 27 zweiklassig und vier einklassig seien. Für die katholischen Schüler entstanden Volksschulen in Roffhausen, in Cäciliengroden und im Fuhrenkamp bei Zetel.

Bildung im Kaiserreich

Das Bildungssystem des Kaiserreichs war durch zwei unterschiedliche Bildungssysteme bestimmt, das Gymnasium und die Volksschule. An den Gymnasien unterrichteten Lehrer, die das Abitur bestanden und studiert hatten. An den Volksschulen im Oldenburger Land unterrichteten Absolventen der Lehrerseminare in Oldenburg und Varel (für evangelische Volksschulen), Neuenburg (zeitweise Lehrerinnenseminar) sowie Vechta (für katholische Volksschulen). Am Lehrerseminar wurden begabte Volksschüler nach der Konfirmation aufgenommen, die zunächst in einem dreijährigen Kurs (Fachunterricht) auf die pädagogische Arbeit vorbereitet wurden.

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Lesen Sie auch über die Bildungsreform in den 1960er-Jahren in Friesland: „Als die Dörfer ihre Schulen verloren“.

Es folgten weitere drei Jahre Unterricht, darunter in Französisch (drei Wochenstunden). Um 1908 gab es in Oldenburg 243 Seminaristen, die aus dem ganzen Oldenburger Land kamen. Das war auch nötig, denn an den Volksschulen herrschte Lehrermangel. 1902 wurde im Oldenburger Landtag bekanntgemacht, dass die gesetzlich vorgeschriebene Höchstfrequenz von 80 Schülern pro Klasse in 19 Schulen überschritten sei (unter anderem in Schweinebrück mit 89 Schülern).

Reformpädagogik

Die Lehrerausbildung wurde in der Weimarer Republik neu gestaltet, als man beschloss, nur noch akademisch gebildete Lehrer unterrichten zu lassen. Es dauerte freilich bis 1948, bis die Pädagogische Hochschule Oldenburg ihren Dienst aufnahm und fortan ausschließlich „studierte“ Lehrer ausgebildet wurden.

Bildung in der Friesischen Wehde

In Zetel hatte es bereits 1914 eine Höhere Bürgerschule gegeben, die erste weiterführende Schule. Sie bestand bis 1932. Ab 1942 gab es in Schweinebrück eine Hauptschule mit Ziel Mittlere Reife, ab 1949 am Zeteler Esch. 1960 folgte der Umzug nach Westerende (heute Außenstelle Lothar-Meyer-Gymnasium). In Bockhorn entstand das Schulzentrum an der Schulstraße, während in der alten Volksschule (Gartenstraße/Lauwstraße) noch die katholischen Kinder unterrichtet wurden.

Bildungsstreit in Varel

Um die Standorte der Schulzentren wurde in den 70er Jahren gestritten. Es gab zum Beispiel für Varel Pläne, ein gemeinsames Schulzentrum am Sumpfweg zu errichten, was Langendamm unterstützte, damit wären freilich fast alle Schüler zu Fahrschülern geworden. Auch der Plan der Bezirksregierung, alle Schüler der Stadtgemeinde an der Arngaster Straße zusammenzufassen, stieß auf Widerstand. 1973 kristallisierte sich heraus, dass es zwei Schulzentren in Varel und Obenstrohe geben sollte, Voraussetzung war, dass die Grundschule Obenstrohe ein eigenes Gebäude erhielt: Die neue „Schule“ bestand aus Containern, ein Provisorium, das bis 1998 andauerte.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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