Jever /Haddien Es summt und brummt: Rund um die grünen Bienenstöcke herrscht reges Treiben. Tausende Arbeitsbienen schwirren hin und her, deutlich zu erkennen ist, wie prallvoll ihre „Pollenhöschen“ an den Beinchen sind – sie haben im nahegelegenen Rapsfeld reichlich Pollen und Nektar geerntet. Ein Wunder, dass bei all dem Flugverkehr gar keine Zusammenstöße passieren.

Bienen auf den Waben: Solche Mittelwände aus Wachs im Holzrahmen soll eine Schülerfirma produzieren. Genster BILD: A. Genster

Abstimmen für die Schulimkerei „Schlossergold“

Die Friedrich-Schlosser-Schule beteiligt sich am Spendenprojekt „400 000 Euro für innovative Schulprojekte“ der Sparda-Bank: Dabei gilt es, im Online-Votum möglichst viele Stimmen zu sammeln, um unter die ersten 50 zu kommen – dann gibt es Geld für die Schule.

Die Idee ist die Gründung einer Schülerfirma „Schlosserwachs“ als Ergänzung der Schulimkerei „Schlossergold“: Diese Schülerfirma soll für andere Klein-Imkereien Mittelwände für die Bienenstöcke produzieren. Die Kosten für die Anschaffung der erforderlichen Geräte belaufen sich auf rund 2500 Euro.

Die Mittelwände bestehen aus Bienenwachs, die in Holzrähmchen eingelötet werden. Dazu benötigt man mehrere Kilo Bienenwachs im Jahr. Die Qualität des Wachses hat Einfluss auf die Stabilität der Waben, die Reinheit des Honigs und die Gesundheit der Bienen. „Bei uns würden die Imker ihr eigenes Blockwachs abgeben und die neue Schülerfirma würde dieses in Mittelwände umwandeln“, erklärt Projektleiterin Alexandra Genster. Die Schülerinnen und Schüler übernehmen dabei alle Aufgaben vom Kundenkontakt über die Annahme, Finanzkalkulation und Marketing bis zur Produktion der Mittelwände.

Die Abstimmung läuft bis zum 6. Juni. Sie funktioniert online mittels einer SMS-Verifizierung abgestimmt:
 Dazu muss jeder Teilnehmer bei seinem Projekt-Favoriten seine Mobilfunknummer eingegeben.
 An diese Mobilfunknummer wird eine SMS mit drei Abstimmcodes versendet, die jeweils einer Stimme entsprechen. Sie sind für 48 Stunden gültig. Um Abzustimmen, müssen die drei Codes auf der Projektseite eingegeben werden.

Die Sparda-Bank betont: Der SMS-Empfang innerhalb der EU ist kostenlos, es entstehen durch die Abstimmung keine Kosten.  Die Mobilfunknummern dienen ausschließlich der Abstimmung, sie werden nicht für Werbezwecke verwendet. Nach Ablauf des Wettbewerbs werden sie gelöscht.

Und hier bitte abstimmen:

www.spardaspendenwahl.de/profile/friedrich-schlosser-schule-jever/

„Sehr spannend“ finden das alles Eike, Sophie und Luca: Die drei sind Schüler der Friedrich-Schlosser-Schule in Jever und arbeiten in ihrer Abschlussstufe im Schulzweig „geistige Entwicklung“ zusammen mit Lehrerin Alexandra Genster und der pädagogischen Fachkraft Serena Falkenhof als Schulimker.

„Schlossergold“ heißt die Imkerei, die vor drei Jahren gegründet wurde – und zwar auf Wunsch der Schülerschaft. „Damals ging es darum, zu entscheiden, in welchem Bereich im Umweltschutz sich die Schule engagieren soll“, berichtet Genster: „Die Schüler sagten: ,Wie wäre es mit Bienen.‘ Also habe ich mich zur Imkerin ausbilden lassen.“

Honig ist heiß begehrt

Die Schulimkerei hat sich mittlerweile sehr gut entwickelt, der produzierte Honig ist heiß begehrt. „Die Schülerinnen und Schüler lernen schnell, wie mit den Bienen umzugehen ist“, hat Alexandra Genster festgestellt. Das Summen an den Stöcken tut ihnen gut. Es wirkt beruhigend und fördert ganz offensichtlich auch die Konzentration.

„Sie können ruhig dichter herangehen und gucken“, sagt Luca (16): „Unsere Bienen sind sehr freundlich und stechen gar nicht.“ Das bestätigt auch Imkerin Genster. „Wir haben sehr friedliche Völker – wäre es anders, müssten wir es mit einer anderen Königin probieren. Denn sie ist es, die den Charakter des ganzen Volks prägt“, erklärt sie.

Dennoch arbeiten die Schulimker natürlich in weißen Overalls mit Haube und dicken Handschuhen – man kann ja nie sicher sein, dass sich nicht aus Versehen eine Biene in den Haaren verfängt und beim Wegwischen zusticht.

Die drei Schüler haben mittlerweile Routine im Umgang mit den Honigbienen: Ihre Bewegungen sind ruhig und gelassen, beim Herausnehmen der Holzrähmchen aus den Bienenkästen achten sie darauf, wohin sie die Finger setzen, damit keine Biene darunter kommt und womöglich gequetscht wird.

Vier Bienenvölker gehören der Schule. Zurzeit stehen sie auf dem Hof von Enno Thomßen in Haddien. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Lehrerin Alexandra Genster: „Zum einen können die Bienen hier in den Raps fliegen. Zum anderen stehen sie direkt am Hof gut geschützt vor Störung, Randale und Diebstahl.“ Leider passiert es häufig, dass frei stehende Bienenstöcke einfach umgestoßen werden. Auch Enno Thomßen hat das schon erlebt. Und immer häufiger werden ganze Völker auch gestohlen.

Viel Arbeit im Freien

Für die Imker von „Schlossergold“ wäre das eine Katastrophe. Denn sie haben die Bienen liebgewonnen und schätzen ihre Arbeit für Natur und Mensch – auch wenn die Schüler inzwischen ein Lied davon singen können, wie viel Arbeit Bienenhaltung macht.

Zurzeit sind sie dabei, die Stöcke zu kontrollieren und ein Abschwärmen zu verhindern. Abschwärmen nennen die Imker, wenn Bienen neue Völker gründen, indem ein Schwarm, ein Teil des bestehenden Volks, auszieht und sich ein neues Zuhause sucht.

Vorsichtig heben die Schlossergold-Imker dazu Kiste für Kiste ab, und dann muss Holzrähmchen für Holzrähmchen vorsichtig herausgehoben und inspiziert werden.

Viele der Waben in den oberen Kisten sind schon mit Wachs verdeckelt. „Sie sind voll mit Honig“, erklärt Imkerin Genster. Zeit für die Qualitätskontrolle: Sie kratzt eine Wabe frei, jeder darf einen Finger in die Honigpfütze tauchen und kosten. „Lecker“, lautet das einhellige Urteil.

Insektenweide an Schule

In zwei Wochen wird der Rapshonig geerntet, doch bis die letzte Honigernte des Jahres ansteht, dauert es noch einige Monate – und so lange sind die Schlossergold-Imker draußen an der frischen Luft beschäftigt.

Auch auf ihrem Schulgelände legen die Mädchen und Jungen der Friedrich-Schlosser-Schule übrigens Wert auf Bienen- und Insektenfreundlichkeit: Im Herbst haben sie 100 Quadratmeter Rasenfläche umgegraben und mit Saatgut vom Landkreis eingesät. Dort wächst nun Insektenweide. Auch einen Kirschbaum haben die Schüler dort gesetzt.

Aus den Grassoden haben sie einen Hügel angelegt – dort sollen Stauden und Kräuter wachsen. Und genau darum bitten die Schülerinnen und Schüler: Wer insektenfreundliche Stauden und Kräuter übrig hat und spenden möchte, kann sie einfach in der Schule vorbeibringen.


Video unter   www.youtube.com/nwzplay 
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Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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