Varel Weg mit dem Wohlstandsschrott, der nur unser Leben verstopft: Ein Alltag ohne Handy, Fernseher, den Rasenmäher mit den Nachbarn teilen, auf den Flug in den Urlaub verzichten und anstatt mit dem eigenen Auto zu fahren, lieber das Fahrrad nehmen. Geht das überhaupt?

„Ja!“ Davon ist jedenfalls Prof. Niko Paech überzeugt. Mehr noch: „Wir leben über unsere ökologischen Verhältnisse“, warnt Deutschlands bekanntester Wachstumsgegner. „Weiteres Wachstum ist weder möglich, noch wünschenswert und vertretbar.“

Mit ebenso provokanten wie (noch) schwer vorstellbaren Thesen verblüffte der Volkswirtschaftler von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg am Mittwoch die Schüler des Wirtschaftsgymnasiums der BBS Varel. „Wir müssen unsere Ansprüche an materielle Selbstverwirklichung senken“, sagt er, „Abfall vermeiden und regenerative Energien nutzen.“

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Selbstverzicht, mit diesem Schlagwort brachte er die jungen Menschen in der Aula der Oberschule Varel an der Arngaster Straße zum Nachdenken. „Wir müssen verzichten und uns vom Überfluss befreien“, sagt er und plädiert für eine Selbstversorgung. Eigene Versorgung anstatt einzukaufen, das sei ein Mittel, um mit den immer knapper werdenden Ressourcen in Zukunft auszukommen.

Doch wird man mit weniger Konsum und weniger Geld glücklich? Viele Schüler waren skeptisch. „Alles sympathische Ideen, aber romantische Vorstellungen, die nicht realistisch sind“, war der Tenor. Dennoch: Bei einigen fruchteten die Denkanstöße. „Auf einige Dinge könnte man tatsächlich verzichten, aber bestimmt nicht auf alle“, meinte Julia Hauptfleisch. Und Melissa Höse sinnierte: „Wenn jeder in geringen Maßen handelt, macht das am Ende vielleicht die Masse aus.“

Die Thesen von Niko Paech hören sich an wie das Leben in vergangenen Zeiten. „Nein“, widerspricht er. Wir brauchen einen kulturellen und keinen technischen Wandel. „Wir werden auch bei weniger Wachstum moderne Technik brauchen.“ Sein Vorschlag: Dinge selbst reparieren und so unabhängig von der Industrie sein. „Gleichzeitig wird damit die Nutzungsdauer der Dinge verdoppelt und der Bedarf halbiert.“

Zeit sei kostbar. „Künstliche Intelligenz und Robotik müsse die menschliche Arbeitskraft ersetzen“, sagt Paech. Dadurch könne die Lebensarbeitszeit auf 20 Stunden pro Woche sinken: „Dann haben Sie 20 Stunden übrig.“

Niko Paech macht es vor. Der 55-Jährige lebt ohne Auto, Handy und Fernseher – und arbeitete in seinem Leben im Schnitt nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich.

Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.) / Redakteur
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