Jever Auf die Frage, wie lange sie schon in Deutschland leben, meldet sich Stevan aus Serbien: „Schon ein Jahre“. Sein Tischnachbar Muhamed stupst ihn an. „Das heißt Jahr – ohne e“, flüstert er. Stevan lächelt verlegen. „Ja richtig. Ein Jahr.“ Auf korrekte deutsche Sprache achten die beiden Jungs besonders. Gemeinsam mit Melidoni, Almer und Karlitos sitzen die beiden im Deutsch-Sprachkursus bei Ellen Eickhaus an der Elisa-Kauffeld-Oberschule in Jever.

Seit wenigen Wochen gibt es den Sprachkursus an der Schule. Ellen Eickhaus kommt eigentlich von der Volkshochschule Friesland-Wittmund, besucht nun aber regelmäßig die Oberschule. Derzeit bringt sie hauptsächlich Flüchtlingskindern die deutsche Sprache bei.

Kinder sind motiviert

Bisher gab es schon vier Sitzungen. „Erst einmal müssen wir etwas warm werden und uns besser kennenlernen“, meint Ellen Eickhaus. Heute auf dem Plan: Konjugation. Ellen Eickhaus schreibt an die Tafel: Ich esse, du isst, er/sie/es isst. . .

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„Wie heißt es dann bei dem Verb ,geben‘?“, fragt sie ihre Schüler. Die melden sich eifrig, geben prompt die richtige Antwort. „Mensch, ihr seid richtig gut“, lobt Ellen Eickhaus. „Ach, ist doch gar nicht so schwer“, winkt der 13-jährige Muhamed aus dem Kosovo locker ab.

Berta Paasman, Schulleiterin der Elisa-Kauffeld-Oberschule, ist froh, dass der Sprachkursus eingerichtet werden konnte. „Der Zustrom an Flüchtlingen ist auch hier an unserer Schule spürbar. Und darauf müssen wir einfach reagieren.“

Zudem beobachtet sie: „Die Kinder sind so wissbegierig und motiviert. Und das machen sie wirklich sehr gut, helfen sich sogar untereinander.“ Erst vor kurzem habe sie beobachtet, dass sich einige Schüler außerhalb des Sprachkurses getroffen haben. „Lernen wir doch einfach so ein wenig Deutsch“, hatte eines der ausländischen Kinder vorgeschlagen. „Sie wollen unbedingt lernen und gut Deutsch sprechen können“, so Paasman.

Organisiert wurde der Kursus vom Büro der Bildungsregion Friesland. Kerngedanke der Bildungsregion: Kein Kind darf zurückgelassen werden, Inklusion und Integration sind wichtige Themen.

„Die Willkommenskultur färbt auch auf die Schulen ab“, meint Reinhold Harms vom Bildungsbüro. Ihm war es wichtig, schnell zu handeln und auf den Zustrom der Flüchtlinge, besonders der Kinder an den Schulen zu reagieren. „Es kommen immer mehr Flüchtlinge – da läuft uns die Zeit weg.“

Individuelles Lernen

Der Sprachkursus in Jever sei eine Art Versuchsballon, daneben gibt es auch einen Kursus in Sande. „Die Einrichtung von Kursen ist auch an anderen Schulen möglich, doch eine Voraussetzung ist, dass mindestens zehn Schüler teilnehmen“, so Harms. Denn es sei schwer, Dozenten zu finden. „Wir haben zwar viele ehrenamtliche Helfer – aber für die Sprachkurse brauchen wir geschulte Fachkräfte.“

In dem Kursus an der Elisa-Kauffeld-Oberschule sitzen normalerweise elf Kinder von der fünften bis zur neunten Klasse. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass die Schüler auf unterschiedlichem Level arbeiten – sie sind unterschiedlich alt und können unterschiedlich viel Deutsch“, berichtet Berta Paasman. „Deshalb haben wir den Kursus nun aufgeteilt.“

Eine Herausforderung bleibt es für Ellen Eickhaus trotzdem. „Individuelles Lernen ist nicht immer leicht“, meint sie. Spaß hat sie ganz offensichtlich trotzdem. Immer wieder lacht sie, unterhält sich freundlich mit ihren Schülern.

Und die freuen sich auch, an dem Sprachkursus teilnehmen zu können, ja überhaupt in Jever leben zu dürfen. Auf die Frage, was ihnen hier in Jever am besten gefällt, müssen sie kurz nachdenken. Fast einstimmig sagen sie dann: „Eigentlich alles!“

An der Schule haben die Jungs aber einige Lieblingsfächer: „Mathe macht Spaß“, sagen Melidoni und Almer, die beide elf Jahre alt sind. „Und Sport“, rufen Stevan und Muhamed. „Fußball ist der beste Sport. Später möchte ich auch Fußballer werden“, fügt Muhamed hinzu. „Aber auch Deutsch. Hier Deutsch zu lernen macht viel Spaß“, sagt Almer und lächelt Ellen Eickhaus an.

Antje Brüggerhoff Agentur Hanz / Redaktion Jever
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