Jever Viele Herangehensweisen – ein Ziel: Den Frieden noch mehr schätzen. Unter dem Motto „70 Jahre Kriegsende in Deutschland“ hat die Elisa-Kauffeld Oberschule Jever am Freitag einen Projekttag zum Kriegsende in Europa vor genau 70 Jahren abgehalten. Alle 299 Schüler beschäftigten sich gemeinsam mit Lehrern in Gruppen mit Themen rund um den Zweiten Weltkrieg.

Während sich eine Gruppe mit Zeitzeugen unterhalten hat, hat eine andere in Jevers Innenstadt selbst gebastelte Friedenstauben an Menschen verteilt. Andere Schüler wiederum sahen sich Dokumentationen an.

Tabea Kunze und Alexandra Merten bereiten gerade ein Plakat vor. Sie haben sich mit ihren Klassenkameraden mit Nachkriegsliteratur von Wolfgang Borchert beschäftigt. „Wir haben uns schon im Unterricht mit dem Krieg befasst“, sagt die 17-jährige Tabea. „Aber durch die Geschichten haben wir noch einmal einen anderen Zugang dazu bekommen“.

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Elisa Kauffeld – Aktivistin für Frieden und Abrüstung

Elisa Kauffeld, nach der die Oberschule Jever benannt ist, wurde 1913 in London geboren und erlebte zwei Weltkriege mit: Den Ersten Weltkrieg als Mädchen im Schwarzwald nahe der französischen Grenze, den Zweiten Weltkrieg als junge Frau in Spanien und Deutschland.

Sie gründete 1979, im Alter von 66 Jahren, die Friedensinitiative Jever/Schortens. Anlass war die Debatte um die Stationierung der Pershing II, einer US-amerikanischen Atomrakete, in Deutschland. Es folgten zahlreiche Demonstrationen, Blockaden und Mahnwachen mit Gleichgesinnten gegen Atomwaffen, Massenvernichtungsmittel, Atomtests und aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Kriege.

Mehrere Male wurde sie deshalb von deutschen Gerichten verurteilt. Zuletzt 1997, nachdem sie mit einer Gruppe in ein Atomwaffenlager in Büchel eingebrochen war, um darauf aufmerksam zu machen, wie leicht das möglich ist. Ende der 1990er Jahre konzipierte sie eine Ausstellung gegen Krieg und Kriegsgewalt.

Im Mai 2012, wenige Tage nach Kauffelds Tod am 16. Mai, wurde die Oberschule nach ihr benannt.

Einige Schüler haben sich mit dem Leben ihrer eigenen Vorfahren beschäftigt – so wie Neele de Jonge. „Ich habe etwas von der Flucht meiner Großtante erfahren“, erzählt Neele. „In der Nähe von Danzig wurde sie von Russen vertrieben, mit ihrer Familie war sie mit Pferd und Wagen auf der Flucht.“ Erst kam die Familie nach Rostock, schließlich nach Schortens.

Neele Hoffmeister und Wiebke Möllmann helfen Neele, die Geschichte ihrer Großtante aufzuschreiben. „Es ist wichtig, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen“, sagen sie. „Und wenn sie damals nicht geflohen wären, wären wir heute nicht hier.“

Einige Schüler der 5. Klasse haben sich mit Heike Ellermanns Buch „Papiervogel, flieg!“ beschäftigt. Es erzählt die Geschichte der japanischen Schülerin Sadako Sasaki, die Opfer des Atombombenabwurfs auf Hiroshima 1945 war. Erst Jahre später wurden Folgen bei Sasaki erkennbar: Sie brach eines Tages zusammen, man diagnostizierte Leukämie. „Es ist interessant und erstaunlich, welche Folgen der Bombenabwurf hatte“, erzählt der elfjährige Tarek Reuß.

Am Ende des Vormittags versammelten sich alle Schüler um Schulleiterin Berta Paasman. Sie betonte, wie wichtig es ist, Frieden und die Freiheit zu schätzen. „Ihr wählt eure Kleidung, Musik, Religion, Vereine – das war früher nicht so.“ Zudem erinnerte Paasman an die Namensgeberin der Schule Elisa Kauffeld, die sogar zwei Weltkriege miterlebt hat. Als Friedenssymbol ließen alle Schüler blaue Luftballons in den Himmel steigen. „Der Frieden fängt klein an“, sagt Paasman. „Wir sollten täglich in ihn investieren.“

Auch im Mariengymnasium wurde des Kriegsendes gedacht: Kai Ulferts, Tabea-Sophie Krupa, Ailina Sassen, Svenja Kronsbein und Felix Veitl, alle Klasse 10, hatten eine Gedenkstunde organisiert. Für die 80 Millionen Opfer des Kriegs zündeten sie symbolisch 80 Kerzen an.

Antje Brüggerhoff Agentur Hanz / Redaktion Jever
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