Oldenburg Das jüngste ZDF-Politbarometer hat einen klaren Unterschied in der Wahlpräferenz der unter 30-Jährigen gegenüber den über 60-Jährigen aufgezeigt. Dies ist erstmal keine große Überraschung. Die Alten wählen eher die alten Volksparteien CDU und SPD, Jüngere machen häufiger bei den Grünen und der FDP ihr Kreuzchen. Verbunden mit dem demographischen Wandel der letzten Jahre kann sich dieser Drift allerdings zu einem Problem gewaltiger gesellschaftlicher Sprengkraft entwickeln, welches die Art und Weise, in der heute und zukünftig Politik gemacht wird, grundlegend ändern könnte.

Autor dieses Textes: Maximilian Kürten (Foto: Torsten von Reeken)
Wahlen werden durch Mehrheiten gewonnen. Dabei können bestimmte Altersgruppen wichtige Lieferanten dieser Mehrheit darstellen. Der Wahlkampf kann auf sie abgestimmt werden. Noch 1961 machte die Altersgruppe laut Bundeszentrale für politische Bildung der über 60-Jährigen etwa 24,6 Prozent der Wahlberechtigten aus. 2017 waren es schon 36 Prozent. Bei dieser Bundestagswahl werden es schon über 38 Prozent sein. Währenddessen nimmt der Anteil der Wahlberechtigten unter 30 immer weiter ab. Waren es 1961 noch etwa 20 Prozent und 1990 sogar 22 Prozent sind es dieses Jahr etwa 14 Prozent.

Gefahr für das politische System

Das Problem ist eindeutig. Eine Politik, die sich immer mehr auf ältere Menschen als Wählerschaft konzentrieren kann, vergisst die Anliegen, Sorgen und Probleme der jungen Bevölkerung. Dies birgt große Gefahren für die Partizipation junger Bürgerinnnen und Bürger im politischen System insgesamt. Wenn eine Bevölkerungsgruppe keinen Einfluss auf die Politik des Landes hat, kann das eine Entfremdung von der Politik ergo “Politikverdrossenheit” bedeuten. Und immer häufiger fühlen sich junge Menschen schon heute bei wichtigen Themen politisch nicht gehört.

Neben einer nachhaltigen Zukunftspolitik (Pariser Klimaabkommen, etc.) ist gerade die Rentenpolitik ein Feld, auf dem junge Menschen links liegen gelassen werden. Die Rentenbezugsdauer verlängert sich rapide, dabei wird die Zahl derer, die diese Rente per Generationenvertrag bezahlen sollen, immer kleiner. Dass sich das auf Dauer nicht rechnen wird, ist auch für Unterkurs-Absolventen eines Mathematik-Grundkurses nachzuvollziehen.

Gesetze für den Status quo

Allerdings stellt die Gruppe derer, die derzeit oder bald Rente beziehen, also von diesem System profitieren, die größte demographische Wählergruppe. Dies birgt die Gefahr, dass kaum Druck auf der Politik liegt, einen zukunftsorientierten Weg einzuschlagen. Gesetze für den Status quo, Bewahrung einer Illusion, die schon bei der nächsten Generation verpufft.

Die Zukunft ernsthaft zu gestalten, kann so für politische Parteien zum wahlentscheidenden Wagnis werden.

Eine Unterrepräsentation der jüngeren Bevölkerung kann also gefährliche Folgen für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands haben. Probleme bleiben auf der Strecke, Partizipation könnte abnehmen und eine Entfremdung junger Menschen von der Politik bedeuten.

Satirepartei: Wahlhöchstalter und „Letztwähler“

Die Satirepartei “Die Partei” schlägt zur Lösung ein Wahlhöchstalter vor und spricht in dem Zusammenhang auch gern von den sogenannten “Letztwählern” (die über 70-Jährigen machten 2017 20,9 Prozent der Wahlberechtigten aus). Eine ernsthafte Lösung wäre diese weitere Einschränkung des Wahlrechts sicher nicht. SPD, Grüne, Linke und FDP fordern weit ernstzunehmender die Einführung des Wahlrechts mit 16. Für CDU-Politiker und Bundeswirtschaftsminister Altmeier ist es nur ein Wahlhilfe für die Grünen. Solch ein Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der eigenen Politik muss man erstmal haben.

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