Oldenburg Wir leben in einer (fast) perfekten Welt. Umgeben von Leistungsgesellschaft und Social Media, in denen perfekte Leben präsentiert und ständig über alles und jeden gerichtet wird. Diese Omnipräsenz von Perfektion und Bewertung kann leicht dafür sorgen, dass man darüber den Sinn für die Realität verliert.

Luissa Freund ist 18 Jahre alt und Schülerin der 13. Klasse. Sie interessiert sich sehr für Politik und Sprachen. (Foto: Torsten von Reeken)
Gerade in Deutschland ist die Arbeitsmoral und Prinzipientreue noch über die Grenzen hinaus bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es das Letzte, auf das man sich stützen konnte, weshalb es von der Mehrheit bis heute empfindlichst verteidigt wird. Die Leistungsgesellschaft bedeutet im kapitalistischen System viele Vorteile und Verbesserungen für den Einzelnen, aber hauptsächlich für eben dieses System, gleichzeitig fordert sie Opfer: Die Zahlen der an Burn-Out Erkrankten in Deutschland steigt seit Jahren an, der ständige Leistungsdruck ist für viele nicht aushaltbar.

In der Corona-Pandemie hat sich dies nur verschlimmert, auch für Schüler:innen und mit ihnen die angehenden Abiturjahrgänge. Wir stellten uns wieder und wieder auf neue Techniken zur Unterrichtsbewältigung ein und ja, wir haben es geschafft und ja, es hat uns neue Kompetenzen vermittelt und ja, wir haben das Beste daraus gemacht, aber das heißt nicht, dass man es im Nachhinein als „doch gar nicht so schlimm“ abhaken kann, denn das würde bedeuten, die Erwartungen in Zukunft noch größer werden zu lassen, denn es war schlimm. Lehrer:innen und Schüler:innen wurden bzw. werden größtenteils ihrer Eigenverantwortung überlassen und man war in jeglicher Hinsicht allein, was vieles erschwerte.

Diese gezwungenermaßen notwendige „Tendenz zur Innerlichkeit“ bedeutete in den meisten Fällen, in der Freizeit auch vermehrt Social Media zu nutzen. Influencer:innen teilten den Hashtag #stayathome millionenfach und präsentieren sich gleichzeitig in Villen mit eigenem Schwimmbad, Park und Fitnessstudio. Diese künstlich perfekten Welten als Vorbild zu nehmen, motiviert nun wirklich nicht.Hat man die Schule geschafft, stellen sich gleich neue Fragen: Beruf oder Studium? Und was macht man damit?

An Universitäten wird meist nur noch studiert, um einen bestimmten Lebensstil anzustreben, nicht um die Forschung mit seinem Interesse weiterzubringen. Dauerstress und Co. werden in Kauf genommen, um irgendwann einmal davon zu profitieren. Diejenigen, die dies weder können noch wollen, werden aus der Gesellschaft verbannt.Vielleicht ist es also an der Zeit, Nachsicht walten zu lassen. Mit anderen, aber auch mit uns selbst, zurückzublicken auf das, was wir schon geschafft haben und für einen Moment auch die Gegenwart wertzuschätzen, soweit es uns möglich ist.

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