Eine Vervielfachung des Aktienkurses in nur zwei Wochen – das war die Bilanz der jüngsten Kursspekulationen um den amerikanischen Elektronikeinzelhändler Gamestop. Doch das Unternehmen Gamestop ist nicht der einzige Beleg dafür, dass die aufkommende Flut von Kleinanlegern die Aktienmärkte in ungekannte Schwankungen versetzen kann. Massenweise Kaufabsprachen zur gezielten Schädigung von Leerverkäufern haben auch die Aktienkurse von Nokia, AMC und weiteren so volatil gemacht, dass diese sogar letztendlich von mehreren Brokern gesperrt wurden. Sowohl die Kaufabsprachen als auch die Handelsbeschränkungen sind Nova, deren Rechtmäßigkeit die Aufsichtsbehörden in der Zukunft noch länger beschäftigen wird.

Autor dieses Gastkommentars ist Florian Dittrich. Der 20-Jährige absolviert ein Duales Studium der Betriebswirtschaftslehre. (Foto: Torsten von Reeken)
Die Geldanlage wird dabei vielmehr zur Wette auf das Schwarmverhalten der Kleinanleger statt der langfristigen Beteiligung am wirtschaftlichen Wachstum. Ohne Bezug zu realwirtschaftlichen Unternehmensentwicklungen oder Zukunftserwartungen werden einzelne Aktien zu Spekulationsobjekten – und zugleich zum Inbegriff des Protestes gegen antipathische Hedgefonds.

Schauplatz zahlreicher Aktienkäufe von Kleinanlegern waren dabei zuletzt vermehrt Low-Cost-Onlinebroker. Robinhood in Amerika und das deutsche Pendant Trade Republic mobilisieren durch günstige Orders vor allem junge Leute, sich dem Aktienhandel anzuschließen. Dem schnellen und einfachen Einstieg in den Finanzmarkt sowie steigendem Interesse an der Wirtschaft stehen dabei jedoch oft auch Unwissenheit und unterschätzte Risiken gegenüber.

Sehen wir also die gerade die ersten Symptome einer neuen Generation Börsenkultur? Ja, durchaus und zwar aus mehreren Gründen: Erstens motivieren die geringen Kosten pro Order zu vielen kurzfristigen Trades, statt auf langfristige Wertentwicklung zu setzen. Zweitens ist Social Media zu einem der Hauptinformationsquellen für Börsenwissen gewachsen. Eigene Erfolgsstorys induzieren dort die vielfach trügerische Hoffnung auf das schnelle Geld.

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Die größte Entwicklung aber sind die Broker selbst: Ein Depot ist bei Trade Republic in unter zehn Minuten eröffnet. Der Handel ist nur in einer Smartphone-App möglich und diese ist so intuitiv aufgebaut, wie wir es von Instagram, Whatsapp und Co. gewöhnt sind. Dass es sich um die Wertanlage echten Geldes und eben nicht nur um einen Zeitvertreib handelt, lässt sich dabei schnell vergessen.

Die Euphorie über neue Möglichkeiten sollte nicht den klaren Blick auf die bestehenden Risiken trüben. Zu den absurden Kursrallyes gehören immer gleichermaßen Gewinner wie Verlierer – und das auch in den Reihen der Kleinanleger. Denn sollten sich derart machtstrategische Kursschwankungen zukünftig häufen, droht dem Aktienmarkt ein nachhaltiger Imageschaden für die langfristige Wertanlage. Und auch das Image der gehandelten Unternehmen leidet, wenn diese zum reinen Spekulationsobjekt mit surrealen Marktbewertungen mutieren.

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