Vor acht Jahren wurde in Deutschland die Wehrpflicht abgeschafft. Seitdem muss die Bundeswehr wie jede andere Behörde oder jedes Unternehmen auf den freien Arbeitsmarkt zurückgreifen, um dem Personalmangel zu begegnen.

Doch die Methoden, mit denen die Bundeswehr nun nach Nachwuchs fischt, kann man durchaus als haarsträubend bezeichnen. Denn neben der typischen Plakatwerbung im öffentlichen Raum hat sie gänzlich neue Räume erschlossen, um die Bundeswehr als Arbeitgeber zu platzieren.

Maximilian Kürten (17) geht in die 11. Klasse und interessiert sich für Gesellschaftswissenschaften und Politik (Foto: Torsten von Reeken)

Im Internet gibt es seit ein paar Jahren verschiedene Webserien, wie die Serie „Die Rekruten“, die im Stil einer Daily-Soap die Ausbildung bei der Bundeswehr mehr als großes Abenteuer darstellt. Um zusätzlich für Unterhaltung zu sorgen, werden dann Aussagen der Rekruten durch Einblendungen ins Lächerliche gezogen. Auf der größten Computerspielmesse wirbt die Bundeswehr mit Sprüchen wie “Multiplayer at its best!” oder “Mehr Open World geht nicht!”. Bei jugendlichen Besuchern wecken diese Phrasen natürlich klare Assoziationen, nur sind das dann eher LAN-Partys, als Geländemärsche.

Aber nicht nur so wirbt die Bundeswehr bei Minderjährigen um Personal. Erlaubt durch einen Paragraphen im Soldatengesetz bekommt die Truppe jedes Jahr die Adresse und den Namen jedes Jugendlichen, der im Folgejahr 18 werden wird. Diese Informationen benutzt die Bundeswehr, um auch personalisiert bei jährlich circa einer Million Jugendlichen im Briefkasten zu landen. Ungefragt. Hiermit verschafft sich eine staatliche Institution einen Wettbewerbsvorteil am Arbeitsmarkt. Allerdings scheint dies nur eine riesen Papierverschwendung zu sein, wenn man in Relation die Zahl der freiwillig Wehrdienst Leistenden betrachtet.

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Eine Frage eint diese drei Beispiele von Werbung, wie sie die Bundeswehr zurzeit betreibt. Sollte man für den Dienst an der Waffe Werbung machen und wenn ja, wie?

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An dieser Stelle muss man etwas klar stellen. Deutschland braucht eine Bundeswehr, die auch in der Bevölkerung auf Rückhalt trifft. Und dieser Rückhalt ist zurzeit noch gegeben, im Herbst 2018 gaben 72 Prozent der Befragten in einer Umfrage der Europäischen Kommission an, der Bundeswehr zu vertrauen.

Man darf die Bundeswehr nicht aus dem Alltagsbild tilgen, auch, dass Soldaten beispielsweise in die Schulen kommen und von ihren Erlebnissen berichten, ist wichtig. Sie ist Teil unserer Gesellschaft und so müssen auch wir, die Jugend, vorurteilsfrei aufgeklärt werden. Aber bei der Frage, wie man Werbung für diesen wichtigen Beruf macht, sollte sich die Bundeswehr bewusst machen, wofür sie wirbt und bei wem. Die Zielgruppe solcher Werbungen ist zumeist minderjährig, darf noch nicht einmal alleine Auto fahren, aber der Beruf des Soldaten soll ihnen schmackhaft gemacht werden. Aufklärung sollte der Schlüssel sein. Keine Reklame.

Die Bundeswehr ist kein großes Abenteuer, was man in Unterhaltungsserien überzeichnend darstellen sollte. Sie ist auch kein real gewordenes Computerspiel. Krieg ist real und Waffen töten. Das ist kein Spiel, sondern Ernst.

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