Frankfurt /Main Die sympathische Fernsehansagerin mit der blonden Föhnfrisur war für die Deutschen mehr als 30 Jahre lang die Glücksgöttin Fortuna. Schon vor der Einführung des Farbfernsehens präsentierte Karin Tietze-Ludwig erstmals die Lottozahlen. Sie gilt – zusammen mit „Tagesschau“-Sprecherin Dagmar Berghoff – als eine der bekanntesten Frauen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens der vergangenen Jahrzehnte. An diesem Dienstag wird die lebensfrohe Lottofee 75 Jahre alt.

„Den 77. würde ich feiern. Das ist eine schöne Zahl“, sagt die jung gebliebene Glücksbringerin, die selbst nie mehr als zwei Richtige im Lotto hatte, der Deutschen Presseagentur. „Ich ziehe die Nieten und andere um mich herum die Kleingewinne“, erzählt sie schmunzelnd. Dessen ungeachtet: „Ich bin im Grunde ein glücklicher Mensch.“ Ihren 75. Geburtstag werde sie mit Freunden verbringen. „Es ist ja schön, die 75 überhaupt erreicht zu haben. Das ist ein Privileg.“

Im mittelhessischen Biedenkopf aufgewachsen, lernte Karin Tietze-Ludwig den Beruf der Fremdsprachensekretärin und bewarb sich als Sprecherin beim Hessischen Rundfunk (hr). „Ich wollte eigentlich zum Radio. Und über das Radio bin ich dann zum Fernsehen gekommen, weil die meine Bewerbung weitergeleitet haben.“

Nach der dunkelhaarigen Lotto-Fee Elvira Hahn habe es der hr einmal mit einer Blondine probieren wollen. „Ich war zum rechten Zeitpunkt an der richtigen Stelle“, sagt sie heute sehr bescheiden.

Die Aufgabe der „Lottofee“ übergab Tietze-Ludwig in einer Sendung im Januar 1998 ihrer Nachfolgerin Franziska Reichenbacher. Die Moderatorin und heutige Lottofee würdigt ihre Vorgängerin als Bestandteil des kollektiven Fernsehgedächtnisses der Nation – in einer Reihe mit Hans Rosenthal, Wim Thoelke und Hans-Joachim Kulenkampff. „Sie steht für eine bestimmte Zeit der Fernsehgeschichte: Das Programm bestand aus zwei Kanälen, Fernsehen in Farbe war gerade erfunden und die Antenne stand oben auf dem Kasten“, sagt Reichenbacher.

Über die Anfänge des Fernsehens, den Einfluss von Amerikanern und Engländern sowie über die Konkurrenz zwischen dem Ersten und dem Zweiten, schreibt Tietze-Ludwig gerade ein Buch. „Wir schalten um“, könnte der Titel lauten, sagt sie mit Blick auf den häufig gesagten Satz aus früheren ARD-Tagen.

Die ersten Kapitel sind schon fertig. „Das macht mir unheimlich viel Spaß, weil ich sehr viel recherchieren muss – und dann kommt natürlich auch mein Leben, das ist der Aufhänger.“ Tietze-Ludwig mag das Schreiben: Über Glück hat sie bereits etwas verfasst. Und nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2000, dem Journalisten Hans-Jürgen Tietze, schrieb die Mutter eines Sohnes auch darüber, „wie das Leben ohne Partner weiter geht“. Danach sei es ihr besser gegangen, erinnert sie sich. „Schreiben hilft ungemein.“

Ihr Erfolgsrezept? „Ich bin sehr verlässlich“, sagt sie über sich. Vor allem aber: „Ich bin ein grenzenloser Optimist.“

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