Berlin Wenn ein Fernsehfilm „Vertraue mir“ heißt, dann kann man getrost davon ausgehen, dass man dies tunlichst unterlassen und nur sich selber trauen sollte. Wie es der Heldin des Filmes ergeht, ist an diesem Montag (20.15 Uhr, ZDF) zu sehen.

Elena Wagner (Julia Koschitz, 41) ist erfolgreiche Managerin bei der Investitionsbank Ahrends & Oppenheimer im Frankfurter Bankenviertel und macht sich berechtigte Hoffnungen auf einen gut dotierten Posten im Vorstand. Doch dann passieren merkwürdige Dinge: Sie wird nicht mehr zu Meetings gebeten, einige Mails verschwinden, ihr Assistent vergisst angeblich einen wichtigen Termin mit ihrem Chef, und der – Dr. Ahrends (August Zirner) – hat trotz mehrfacher Bitten keine Zeit mehr für sie.

Dabei hätte sie ihm Wichtiges mitzuteilen, denn sie ist auf Papiere gestoßen, die verheimlichte Verluste der Bank belegen und deren Existenz bedrohen. Der Assistent wird gefeuert, und allmählich befürchtet Elena, dass ein Komplott gegen sie im Gange ist. Nicht ganz freiwillig sucht sie Kontakt zu ihrem Ex-Freund Marc (Jürgen Vogel), der mal EDV-Chef des Bankhauses war. Nur er kann das interne Computersystem knacken, und so schleust sie ihn nachts in ihr Büro ein – vorbei am Wachmann (Sascha Alexander Gersak).

Was folgt, ist ein Finanzkrimi um einen dubiosen Milliarden-Kredit, für den Elena verantwortlich gemacht werden soll. Diese Story ist an einen wahren Fall angelehnt, den Finanzskandal der Londoner Barings Bank von 1995, als der Broker Nick Leeson rund 1,9 Milliarden Euro verzockt hat – im Film sind es „nur“ 950 Millionen Euro, was Elena zunächst für ein Gerücht hält. Kein Gerücht ist, dass sie mal mit Marc zusammen war, bis sie ihn verlassen hat, um sich ganz ihrer Karriere zu widmen. „Vertrauen ist die stillste Art von Mut“, sagt sie zu Beginn des Films, während sie nervös mit einem alten Fünf-Mark-Stück spielt.

Die Schauspielerin Julia Koschitz kennt man aus Filmen wie „Unsichtbare Jahre“. Ihre Komödie „Hin und weg“ läuft am 14. Juli im ZDF. Über ihren neuesten Film sagt sie: „Elena ist eine intelligente, sehr disziplinierte Frau, die ein klares Ziel hat – und das ist ihre Karriere.“ Für diese Karriere opfere sie ihr gesamtes Privatleben.

Der Film von Autorin und Regisseurin Franziska Meletzky (42, „Konrad und Katharina“, „Die kalte Wahrheit“) hat gleich mehrere spannende Ebenen: Mobbing bei der Arbeit, Beziehungsdrama, enttäuschte Gefühle, Kontrollverlust. Die Filmbilder (Kamera: Ngo The Chau) sind durchweg kalt, was dem düsteren Thema durchaus angemessen erscheint.

Herausragend ist das Spiel der beiden Schauspieler Julia Koschitz (sehr skrupellos) und Jürgen Vogel (sehr moralisch), die es schaffen, dass man sich zeitweise in einem Kammerspiel am Theater wähnt. Aber Vertrauen schenken möchte man eigentlich keiner dieser tragischen Figuren.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.