Mainz Maria hetzt von Patient zu Patient und nach Feierabend ins Café zu ihrem Freund. Und als sie noch einmal dorthin zurückhetzt, um ihr vergessenes Handy zu holen, wird Maria überfahren. In „Meine fremde Frau“, einer Koproduktion von ZDF und ORF, die an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr im Zweiten zu sehen ist, durchstreift Regisseur und Co-Autor Lars Becker den ganzen Filz und die ganze Korruption der feinen Gesellschaft von Wien.

Der Mann mit dem graumelierten Haar jedenfalls, der mit zwei Kindern ins Krankenhaus eilt und Maria (Ursula Strauss) dort im Koma vorfindet, ist ihr Ehemann Bruno, gespielt von Harald Krassnitzer. Als Maria aufwacht, kann sie sich an nichts erinnern. Bruno, der als Staatsanwalt arbeitet, macht sich auf die Suche nach dem flüchtigen Fahrer, der Maria schwer verletzt liegen ließ und in seinem flotten Audi in die Nacht brauste. Und je intensiver er recherchiert – bei Patienten etwa oder im Orchester der Staatsoper, wo Marias Geliebter Lukas Horvath (Philipp Hochmair) Dirigent ist und einer ihrer Patienten das Cello spielt – desto tiefer verstrickt er sich in gleich zwei ineinander verschlungene Geschichten.

Die eine ist die einer Familie, in der die Mutter eine andere war, als Kinder und Ehemann dachten. Die zweite Geschichte ist die von einem Baulöwen namens Lorant, einer schmierigen, neureichen Type. Breit walzt Nicholas Ofczarek seinen Heimatdialekt aus, wenn die bohrenden Fragen der Ermittler an Lorant abprallen oder wenn er unbeholfen-großkotzig den Dirigenten Horvath umschmeichelt: Horvath, den einzigen Zeugen der Fahrerflucht.

Sebastian Edschmid führt seine Kamera bei diesen Erkundungen meist dicht an den Figuren entlang, manchmal springt er mit einem kurzen, heftigen Zoom direkt auf sie zu. Es sind Bilder eines nur scheinbar vertrauten Umfeldes, in denen sich immer wieder das Erschreckende im Bekannten entblößt und das Grausame im Eleganten. Dann zeigt der Film Postkartenbilder der Wiener Ringstraße mit ihrer ganzen klassizistischen Wucht, neben der sich der schlichte Alltag mit seinen kleinen Lügen und seinen großen Verbrechen so durchmanövriert.

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