Berlin Nach mehreren Jahren Auszeit kehrt Kult-Regisseur Peter Bogdanovich („The Last Picture Show“, „Is’ was, Doc?“) mit „Broadway Therapy“ ins Kino zurück und begeistert mit einer schrillen Farce um Lust und Leid der Liebe. Die Schauspielstars Imogen Poots, Jennifer Aniston, Owen Wilson, Rhys Ifans und Hit-Regisseur Quentin Tarantino als Überraschungsgast entzünden ein funkelndes Feuerwerk an Wortwitz und Situationskomik.

Der Rahmen des turbulenten Geschehens um diverse Sex-Eskapaden ist ein Interview der aufstrebenden Jungschauspielerin Isabella (Imogen Poots). Freimütig erzählt sie einer schockierten Journalistin vom Beginn ihrer Karriere: Isabella hat als Prostituierte gearbeitet. Zum entscheidenden Schritt vom Bett auf die Bühne hat ihr ein Kunde verholfen, Regisseur Arnold (Owen Wilson). Kompliziert wird es, als sie ausgerechnet in einer Inszenierung ihres freigiebigen Förderers am Broadway eine Rolle übernehmen will.

Die überbordende Komik resultiert zunächst vor allem aus dem Gegensatz von der im Herzen unschuldigen Isabella und dem durchtriebenen Schürzenjäger Arnold. Welten prallen aufeinander: Während die junge Frau aufrichtig nach dauerhaftem Glück strebt, sucht der schon ein wenig in die Jahre gekommene Lebemann nichts als den Genuss des schnellen Rauschs. Bogdanovich garniert diese ins Schrill-Komische übersteigerte Grundsituation mit großem Spaß an vor allem erotisch aufgeladenem Humor.

Der Film offeriert Bekanntes am laufenden Band: Liebende treffen grundsätzlich in heiklen Situationen aufeinander, Gefährten sexueller Abenteuer müssen sich unentwegt vor ungebetenen Zeugen verstecken, das Telefon klingelt stets zur Unzeit. Bogdanovich dekliniert das Alphabet klassischer Komödien in irrwitzigem Tempo virtuos und elegant durch. Wie alt ein Gag auch sein mag: Jede Szene wirkt frisch und spritzig. Derart pointiert wurde der sogenannte Krieg der Geschlechter im Kino schon lange nicht mehr illustriert.

Nebenbei werden viele Pfeile wider die gerade in den USA wabernde Bigotterie abgeschossen: Alle treiben es bunt, doch niemand steht dazu. Isabella, genannt Izzy, tut’s. Arnolds Ehefrau, ihr früherer Liebhaber, der Autor des von Arnold inszenierten Stücks samt Partnerin und eine durchgeknallte Psychotherapeutin mit Kundschaft im Schlepptau können von der jungen Frau mit der verruchten Vergangenheit einiges an Anstand lernen.

Das von der bezaubernden Engländerin Imogen Poots („28 Weeks Later“, „A Long Way Down“) angeführte Star-Ensemble brilliert mit sprühendem Charme und knackigem Witz. Neben Poots setzt Jennifer Aniston als emotional schwer angeschlagene Seelenklempnerin Glanzpunkte. Auch Owen Wilson und Rhys Ifans als Kerle mit Hormonüberschuss bei Hirnschwund haben Momente, die wohl selbst Puristen zu brüllendem Lachen animieren.

Stilistisch knüpft Regisseur Peter Bogdanovich an seinen Welterfolg „Is’ was, Doc?“ aus dem Jahr 1972 an. Wieder feiert er die Kunst von Hollywood-Regisseuren der Vergangenheit wie Ernst Lubitsch, Frank Capra und Billy Wilder, deren Komödien Kinogeschichte geschrieben haben. Bogdanovich huldigt insbesondere den Screwball Comedies der 1930er/40er Jahre, erotisch aufgeladenen Lustspielen mit rasantem Sprachwitz und wilder Situationskomik.

Schon im Vorspann versetzt der schmusige Hollywood-Hit „Heaven, I’m in Heaven“ aus dem vor achtzig Jahren herausgekommenen Filmmusical „Top Hat“ mit Fred Astaire und Ginger Rogers das Publikum in gute Laune. Selbst Zuschauer, die sich für Filmgeschichte nicht interessieren, dürften sich nach dem Genuss der „Broadway Therapy“ im Sinne der ersten Song-Zeile fühlen: „Himmel, ich bin im Himmel und mein Herz schlägt so schnell, dass ich kaum sprechen kann.“

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