ST. GALLEN Böse sein konnte ihm nie jemand, wenn er mit schelmischem Grinsen seine Streiche auflöste und fragte „Verstehen Sie Spaß?“. Dem Komiker Hape Kerkeling bereitete Kurt Felix einen „Albtraum“, als er dessen Publikum immer an der falschen Stelle lachen ließ. Reinhold Messner geriet in Rage („Ich werde mich beim Bürgermeister beschweren!“), als hoch oben in der Matterhorn-Wand plötzlich ein Kiosk mit Souvenirs und Klatschpresse stand.

Und Gotthilf Fischer verneigte sich ehrfürchtig („Das passiert in der Welt nur einmal“), als die britische Queen – oder vielmehr ihr Double – seinen Chören einen Überraschungsbesuch abstattete.

Felix legte über Jahre Hunderte prominente und nicht-prominente Opfer mit seinen Gags herein, ließ genervte Autofahrer an dauerroten Ampeln versauern und fragte Passanten mit einem Mode-Schnittmuster nach dem Weg. Damit wurde der Spaßvogel mit seiner Frau Paola zum beliebtesten Moderatorenpaar in Deutschland. Zweifellos auch deshalb, weil Felix stets darauf achtete, mit seinen Streichen niemandem bewusst zu schaden.

Am 27. März feiert der Schweizer seinen 70. Geburtstag. Aus dem Rampenlicht vor der Kamera hat er sich bereits 1991 zurückgezogen. Feiern möchte er nun ganz gemütlich im kleinen Kreis. Kurt Felix erholt sich gerade von einer gesundheitlich schweren Zeit. Er ist an Thymom-Krebs erkrankt. Nachdem er sich deswegen bereits 2003 einer Operation und Chemotherapien unterzogen hatte, erfuhr er im vergangenen April, dass der Krebs zurückgekehrt war. Eine weitere OP und Strahlentherapie folgten. „Mein Glaube an die Schulmedizin und meine Ärzte ist stark. Krebs braucht nicht tödlich zu sein. Ich habe gelernt, mit ihm zu leben“, schreibt Felix auf seiner Webseite.

Seine Karriere startete er über einen kleinen Umweg – er arbeitete zunächst als Lehrer. Schon parallel zum Unterrichten wurde er als Radio- und Fernsehreporter aktiv. 1965 gab Felix den Lehrerberuf schließlich ganz auf, um zum Schweizer Fernsehen zu wechseln. Dort arbeitete er als Moderator, Autor, Programmgestalter und Regisseur.

Mit großem Erfolg entwickelte Felix neue Sendeformate – die Show „Teleboy“ etwa, in der er zwischen 1974 und 1981 bereits Streiche mit der versteckten Kamera spielte. „Teleboy“ wurde zur erfolgreichsten Unterhaltungssendung in der Geschichte des Schweizer Fernsehens. Ende 1980 setzte Felix seine Laufbahn in Deutschland fort und entwickelte zunächst für den Süddeutschen Rundfunk, ab 1983 dann für die ARD die große Samstagabend-Show „Verstehen sie Spaß?“. Als Co-Moderatorin trat ihm seine Frau, die Schlagersängerin Paola Del Medico („Blue Bayou“) zur Seite, die er 1980 geheiratet hatte.

Nachdem Paola und Kurt Felix mehr als 250 Filme mit der versteckten Kamera gedreht und rund 100 Prominente hereingelegt hatten, gaben sie 1990 schließlich die Moderation ab.

Sein privates Glück hat er in seiner Paola gefunden, die er als Juror eines Talentwettbewerbes kennenlernte und mit der er heute in St. Gallen lebt. Als er vor einem Jahr wieder ins Krankenhaus musste, wich die 50-Jährige nicht von seiner Seite und zog zu ihm ins Zimmer.

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