Berlin Alles ist völlig normal. Eine Familie in einem schönen Eigenheim, Vater hat eine eigene Firma, Mutter kümmert sich um die Tochter. So beginnt scheinbar völlig harmlos der Film „Silvia S. – Blinde Wut“, der an diesem Montag um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen ist.

Silvia (Maria Simon) und Andreas Schubert (Florian Lukas) führen eine harmonische Ehe, Tochter Laura (Paula Hartmann) feiert gerade Geburtstag. Doch das reicht Silvia nicht mehr. Sie möchte gern in ihren alten Beruf als Architektin zurück. Ihre ältere Schwester Uta (Sophie von Kessel) stellt sie nach zehnjähriger Pause wieder in ihrem Architekturbüro ein, Silvia stürzt sich in die Arbeit. Doch mit ihrem ersten Entwurf geht sie viel zu weit.

Silvia scheitert. Sie bekommt ihren ersten kleinen Ausraster. Sie bezeichnet ihre Schwester als „frigide Karrierezicke“. Von ihrer Mutter Eva (Ulrike Kriener) wird sie ohnehin für untauglich gehalten und ständig gepiesackt, ihr liebevoller Mann kommt nicht mehr an sie heran, der Sex zwischen ihnen wird immer rauer und brutaler. Die ehemalige Biathletin Silvia entwickelt allmählich eine starke psychische Störung und holt schließlich ihre Waffe aus dem Schrank.

Maria Simon (39, „Polizeiruf 110“) gelingt es geradezu erschreckend glaubhaft, sich in die Psyche einer Frau hineinzuversetzen, die ständig überfordert und gekränkt wirkt, und die nur scheinbar in bürgerlichen Strukturen gefestigt ist.

Zunehmend verzweifelt, sucht sie nach Anerkennung in ihrer Familie und in ihrem gelernten Beruf, wird doch nur gekränkt und zurückgewiesen, bis sie von einer ungeheuren blinden Wut gepackt wird – was „Amoklauf“ dem ursprünglichen Wortsinn nach bedeutet.

Sie bekommt einen Hautausschlag, sie bestraft und verletzt sich selbst, sie überschüttet ihre Tochter mit Liebesbeweisen.

Regisseur Friedemann Fromm (52, „Weissensee“) sagt im ZDF-Interview über seinen Film, „Silvia S.“ sei „die Geschichte einer vermeintlich ganz normalen Familie“. Es sei die Geschichte einer Frau, die versuche, alles richtig zu machen und auf furchtbare Weise scheitere an dem Druck, alle Erwartungen zu erfüllen, die die Gesellschaft an Frauen hat: „Dem Druck, perfekt zu sein. Dem Druck, sein Leben zu leben wie in einem Werbespot für Marmelade.“

Der verstörende Film (Buch: Katrin Bühlig) zeigt eine Frau, die völlig ausrastet – was sonst nur Männern vorbehalten ist. Und er zeigt einen Jahresrhythmus, samt der entsetzlichen Spirale von Isolation und Frustration, die in der unvorstellbaren Tat eines Amoklaufs mündet – und das Geschehen wird authentisch, glaubhaft und intensiv geschildert, ohne Beschönigung. Bis hin zum grauenvollen Schlusspunkt eines ganz und gar nicht normalen Lebens.

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