Köln Wenn Jean Pütz ins Reden kommt, dann redet er ohne Punkt und Komma. Über die Wissenschaft, über Politik, über seine Familie – und über sich. Er hat ja auch viel zu erzählen: Der Mann mit dem wuchtigen Schnäuzer, der einst die „Hobbythek“ erfand, wird an diesem Mittwoch 80 Jahre alt.

Die Wissenschaft ist bis heute die Leidenschaft des gelernten Elektromechanikers, der das Abitur nachholte und dann Mathe, Physik und Soziologie studierte. „Mich hat immer die Frage beschäftigt: Wie kann ich Menschen mit einfachen Worten dazu bringen, die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung zu verstehen?“ Er sei fest davon überzeugt, dass eine Demokratie nur existieren kann, wenn Menschen informiert und gebildet sind: „Mit dummen Menschen geht die Demokratie unter.“

In der „Hobbythek“, die der Journalist 1974 beim WDR an den Start brachte und gut 30 Jahre lang moderierte, brachte er den Zuschauern Wissenschaft und Technik des Alltags auf unterhaltsame Weise näher: Er erklärte, wie man Käse, Lautsprecher oder Waschmittel selber herstellt, gab Tipps zur Ernährung, zur Nutzung von Energie oder Regenwasser.

1984 entwickelte er die „Wissenschaftsshow“, aus der später „Quarks & Co“ mit Ranga Yogeshwar wurde. Heute macht er keine eigenen TV-Sendungen mehr, aber mit seiner „Pützmunter-Show“ tourt er durchs Land und zeigt Experimente aus der Welt der Wissenschaft.

„Die moderne Technik ist wie für mich gemacht“, sagt Pütz nicht ohne Stolz. Er betreibt eine Internetseite und ist auch bei Facebook aktiv, „um der Politik die Leviten zu lesen“, wie er sagt. Zum Beispiel zum Thema Flüchtlinge. Im März hat er dazu einen offenen Brief mit 14 Fragen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geschickt.

„Finden Sie nicht, dass die europäische Idee durch Ihre nicht mit den europäischen Instanzen abgestimmte Entscheidung immer mehr in Gefahr gerät?“, lautete etwa eine dieser Fragen. Eine Antwort von der Kanzlerin habe er nicht erhalten.

Privat lebt der Autor zahlreicher Fachbücher im Bergischen Land, in einem „Nullenergiehaus“ auf einem 300 Quadratmeter großen Grundstück. Genauer gesagt stünden dort zwei Häuser, wie er erklärt: In einem wohne er mit seinem 17-jährigen Sohn, in dem anderen seine dritte Ehefrau (49) mit der fünfjährigen Tochter. Das zweite Haus habe er gekauft, weil seiner Frau in dem anderen die Küche nicht gefallen habe. Nun habe jeder seine Traumküche.

Das Alter schrecke ihn nicht, wie er betont: „Ich möchte kein Jahr jünger sein, bin aber auch noch nicht bereit, ans Ableben zu denken.“

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