BERLIN Er war 1945 ein Knirps von knapp neun Jahren. Der Krieg war gerade zu Ende, im Radio hielt Konrad Adenauer, Oberbürgermeister von Köln, eine Rede. „Ich war bei meinen Großeltern untergebracht“, berichtet der heute 75-jährige Joachim Bißmeier. „Da sagte mein Opa: ,Das ist genau der Mann, den wir jetzt brauchen.’ Den Namen Adenauer habe ich mir seitdem gemerkt.“

Niemand konnte damals ahnen, dass Joachim eines Tages für 90 Minuten der große Adenauer sein würde. Auf ihn fiel die Wahl, als Filmproduzent Uwe Kersken Autor Werner Biermann und Regisseur Stefan Schneider den Hauptakteur für ihr Dokudrama „Konrad Adenauer – Stunden der Entscheidung“ suchten, das an diesem Dienstag (20.15 Uhr) auf Arte und am 5. August (21.45 Uhr) in der ARD zu sehen ist.

Auf dem gebürtigen Bonner Bißmeier, der sich als Theatermann einen Namen machte, liegt eine schwere Last. Der Alte aus dem Rheinland, unverwechselbar in Gesicht, Geste und gesprochenem Wort. Wie bewältigt er diese Aufgabe? „Ich habe mir viele DVDs mit historischem Material angeschaut“, sagt Bißmeier, der in Salzburg, Berlin und Wien auf der Bühne stand. „Ich habe Adenauer gespielt, ohne ihn imitieren zu wollen.“

In dem Dokudrama, einer Mischung aus Dokumentation, Zeitzeugeninterviews und nachgespielten Szenen, wirkt die große Figur des ersten deutschen Bundeskanzlers durch Bißmeier feingliedriger und zerbrechlicher, als historische Aufnahmen des unerschütterlichen und stoisch wirkenden Rhöndorfers sonst immer zum Ausdruck bringen. Auch die Weggefährten, ob ein Ludwig Erhard (Ludwig Hansmann) oder Franz-Josef Strauß (Bernhard Ulrich), wirken nicht gerade wie Doppelgänger und ein wenig überzogen unfreiwillig komisch, gerade im Falle Strauß, der über sich als „Hanswurschten“ redet.

Der Film versucht sich an dem Bogen zwischen der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und dem Ende von Adenauers Kanzlerschaft 1963. Jedes Thema, ob es der Dauer-Konflikt mit den Nazis ist, seine Entlassung als Kölner Bürgermeister durch die Engländer, seine Kanzlerschaft, die Bundeswehrgründung, der Mauerbau und die Kubakrise, von allem wird erzählt.

30 Jahre – wäre ein Personalwechsel in der Hauptrolle da nicht besser gewesen? „Dies hätte der Geschlossenheit des Filmes nicht gut getan“, sagt Autor Biermann. Gut tun dem Film die Bilder von Adenauers Amtssitz Palais Schaumburg und dem Wohnsitz in Rhöndorf sowie die Zeitzeugen-Interviews.

Dass der Staatsmann seine anderen, privaten und humorvollen Seiten hatte, rückt das Dokudrama schön ins Licht: So probiert der Hobby-Erfinder mit seiner Frau Auguste („Gussie“), gespielt von Carolina Vera, das Stopfei mit Innenbeleuchtung aus oder zeigt Rudolf Augstein, wie eine Harke mit ambossartiger Klopffunktion auf der Rückseite zu bedienen ist.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.