München Fenster und Türen sind verriegelt. Nie im Leben würden Eltern Fremde ins Kinderzimmer lassen. Oder doch? Die Technik macht es möglich, so wie die Puppe „Cayla“, die vor gut zwei Jahren für Aufsehen sorgte. Per Funk ans Internet angebunden, sollte sie sich mit niedlicher Kleinmädchenstimme unterhalten können. Doch „My Friend Cayla“ wurde in Deutschland als potenzielles Spionagegerät verboten. Außerdem gab es Befürchtungen, Hacker könnten über die Puppe mit Kindern Kontakt aufnehmen. Eine unheimliche Vorstellung, die im „Tatort“ aus München Wirklichkeit wird. In „Wir kriegen euch alle“ spielen smarte Spielzeuge eine gruselige Rolle in einer Reihe entsetzlicher Morde, zu sehen an diesem Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.

Ein Ehepaar wird in seiner Villa brutal ermordet. Die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) sind ratlos, erst recht, als sie auf der Überwachungskamera einen Weihnachtsmann sehen, der in der Mordnacht durch den Garten schleicht und offenbar problemlos ins Haus gekommen ist. Wer hat ihm die Tür geöffnet? War es die Tochter Lena, die den Weihnachtsmann schon seit Tagen sehnsuchtsvoll erwartet hat?

Noch rätselhafter wird es, als die Ermittler Lenas sprechende Puppe Senta entdecken. Sie ist das Geschenk einer netten alten Dame auf dem Spielplatz, und Lena liebt sie heiß und innig. Eine Spur führt Batic und Leitmayr zu einem Verein von Männern, die in ihrer Kindheit und Jugend sexuell missbraucht wurden. Ob sich dort der Täter findet?

„Wir kriegen euch alle“ erzählt eine hochspannende Geschichte. „Es dreht sich nicht ausschließlich um diese Puppen, es geht auch um Selbstjustiz und Kindesmissbrauch. Wie gehen Opfer mit ihren Gefühlen um?“, sagt der Regisseur Sven Bohse (41). Einfühlsam behandelt der Film dieses schwierige Thema um Männer mit Missbrauchserfahrungen, die zwischen Trauer, Verzweiflung und Rachegelüsten schwanken.

Geschickt verwebt der Film des Bayerischen Rundfunks und der Tellux Film die Puppe mit den Morden. Das Spielzeug ist das Einfallstor für den unbekannten Täter, der sich mit seinem Handy mit dem Computer in der Puppe verbindet und diese steuert. „Technisch ist ein solches Szenario denkbar“, heißt es von der Bundesnetzagentur in Bonn, die Cayla im Februar 2017 vom Markt genommen hat.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.