Mainz Mira (Flora Li Thiemann), Jakob (David Ali Rashed) und Fabian (Lenius Jung) sind nach einer durchfeierten Nacht auf dem Weg nach Hause. Auf einer Station der Berliner U-Bahn geraten sie mit einem Obdachlosen in Streit. Plötzlich liegt er verletzt am Boden, die drei Jugendlichen fliehen.

Eine wahre Geschichte: Das Verbrechen erschütterte vor einigen Jahren die Hauptstadt und löste Diskussionen über Wohlstandsverwahrlosung, die soziale Spaltung der Gesellschaft und die nächtliche Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln aus. Diese Themen streifen Regisseurin Franziska Schlotterer und Co-Autorin Gwendolyn Bellmann in ihrem spannenden Drama „Totgeschwiegen“. Sie richten den Blick auf das Innenleben der betroffenen Familien. Das ZDF strahlt den Film am 21. September um 20.15 Uhr aus.

Vertuschungsstrategie

Nachdem die Polizei ein Foto des fliehenden Trios veröffentlicht, ahnt Fabians Mutter Brigitte (Katharina Marie Schubert), dass das Blut auf dem Anorak ihres Sohnes nicht von ihm selbst stammt. Sie vernichtet das Kleidungsstück. Am gleichen Tag hält Mira es nicht mehr aus. Sie beichtet ihren Eltern, dass sie und ihre Freunde den Obdachlosen angegriffen haben. Während Mutter Esther (Claudia Michelsen) entsetzt ist, dass die Teenager keine Hilfe holten, plädiert Miras Ziehvater Jean (Mehdi Nebbou) für ein Geständnis. Für eine Vertuschungs- und Verdrängungsstrategie plädieren Brigitte und ihr Mann Volker (Godehard Giese). Die Paare überzeugen auch Nele (Laura Tonke), die alleinerziehende Mutter von Jakob.

Die Verkäuferin reagiert allerdings anders als die wohlsituierten Eltern aus den Berliner Vororten. Sie interessiert sich für das Opfer. Es bekommt plötzlich ein Gesicht: Aus dem Obdachlosen wird ein Ehemann und Vater. Sein Sohn ist im selben Alter wie die drei Teenager. Diese Fakten lassen auch Jakob nicht kalt.

Die Erwachsenen sind hin- und hergerissen zwischen ihrer Sorge um die eigene Familie sowie der Liebe zu ihrem eigenen Kind auf der einen Seite – und andererseits ihrem eigenen moralischen Anspruch. Die Handlung konzentriert sich auf die Dynamik, die sich aus dem Willen der Eltern ergibt, ihre Kinder vor einer Verurteilung zu schützen. Und den psychischen Problemen, die die Gewissensbisse und die Verdrängung bei den Schülern auslösen. Die Ausnahmesituation bringt Ängste, mangelnde Empathie und Vorurteile in den Familien ans Tageslicht, denen es materiell an nichts fehlt. Zugleich werden wie in einem Brennglas die lange unter den Tisch gekehrten innerfamiliären Konflikte deutlich, die schließlich eskalieren. Dabei kann sich die Filmemacherin auf ihr brillantes Ensemble verlassen, das die Gefühle der Figuren transparent macht.

Ausnahmesituation

Die Regisseurin zieht die Zuschauer schnell in den Bann dieser Ausnahmesituation. Sie weckt Sympathien für alle Standpunkte, ohne moralisch zu werten. Schließlich kennt so mancher die unangenehme Situation, von einem Obdachlosen belästigt zu werden. Und welche Eltern wollen ihren Kindern schon die Zukunft erschweren?

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