Mainz Der bekannteste Sohn Triers, das „Kapital“, seine Freundschaft zu Friedrich Engels – denkt man an Karl Marx, fallen einem schnell diese Punkte ein. Das ZDF-Dokudrama „Karl Marx – der deutsche Prophet“ wirft zum 200. Geburtstag des Wirtschaftstheoretikers einen Blick in weniger bekannte Kapitel seines Lebens – sein Familienleben und sein von Schicksalsschlägen gezeichnetes letztes Lebensjahr.

Peter Hartl (Buch) und Christian Twente (Regie) schildern diese Zeit aus der Sicht seiner jüngsten Tochter und Mitarbeiterin Eleanor. Das ZDF strahlt den aufwendig gestalteten Film am Mittwoch, 2. Mai, um 20.15 Uhr aus. ARTE zeigt den Beitrag bereits an diesem Samstag um 20.15 Uhr.

Als ihre Mutter krank wurde, sprang Eleanor Marx (Sarah Hostettler) 1880 als Sekretärin und Mitarbeiterin ihres berühmten Vaters ein, erzählt der Autor. Sie stellte ihren eigenen Berufswunsch als Schauspielerin zurück und kümmerte sich um seine Korrespondenz, ordnete Bücher und Manuskripte. Außerdem übersetzte sie seine Texte ins Englische und dolmetschte für ihn.

Durch den Fokus auf die jüngste Tochter rückt die Familiengeschichte von Karl Marx in den Mittelpunkt des Interesses. Aufwendig gestaltete Spielszenen und Rückblenden erinnern an die wichtigsten Ereignisse und offenbaren die schwierigen und finanziell prekären Verhältnisse der Familie.

Aus der Entscheidung, Marx’ Leben aus dem Blickwinkel von Eleanor zu erzählen, ergaben sich für die Macher viele neue Möglichkeiten, um die Widersprüche zwischen dem privaten Marx und dem nach Luther bekanntesten deutschen Denker zu zeigen, erklärt der Autor. Marx sei einer der meistgelesenen und zugleich umstrittensten Autoren der Weltgeschichte. Im 20. Jahrhundert sei mehr als ein Drittel der Menschheit Regimen ausgesetzt gewesen, die sich auf ihn beriefen – und zumeist scheiterten. Marx selbst habe sich jeder Vereinnahmung entzogen.

Peter Hartl fand in Hauptdarsteller Mario Adorf einen idealen Fach-Kenner, der mit dem Werdegang von Karl Marx bestens vertraut ist. Adorf hatte vor über zehn Jahren ein Filmdrehbuch zu Marx geschrieben, das aber nie realisiert wurde.

Als Philosophie-Student hatte er sich bereits theoretisch mit Marx auseinandergesetzt und in den Semesterferien erlebt, was es hieß, als „Lohnsklave“ im Steinbruch zu malochen. Später sei das Interesse an Marx geblieben, erzählt er. Die Rolle des deutschen Denkers und Revolutionärs sei immer ein Wunsch von ihm gewesen. Er füllt sie in dem Dokudrama perfekt aus, – auch wenn er trotzdem noch ein paar Stunden in der Maske zugebracht hätte, wie er humorvoll bemerkt.

Die Spielszenen des Dokudramas werden ergänzt durch Kommentare von Historikern und Finanzfachleuten. Auch Marx-Biografen wie Jürgen Neffe, Jaques Attali oder die Eleanor-Marx-Biografin Eva Weisweiler kommen zu Wort. Die Statements der Experten befassen sich auch mit der Frage, wie aussagekräftig die Weltbeschreibung des deutschen Propheten für das heutige Wirtschaftsgeschehen noch ist.

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