Hamburg Die „Spiegel“-Affäre hat vor mehr als 50 Jahren die junge deutsche Demokratie erschüttert. Zwei machtvolle Persönlichkeiten – der streitbare Verleger Rudolf Augstein (1923–2002) und der temperamentvolle Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (1915–1988) – bekämpfen sich erbittert. Es geht mitten im Kalten Krieg zwischen Nato und Warschauer Pakt um Pläne zur atomaren Bewaffnung der Bundeswehr. Nach dem „Spiegel“-Artikel „Bedingt abwehrbereit“ eskaliert der politische Skandal.

Was der Machtkampf zwischen Presse und Politik im Oktober 1962 zu bieten hatte ist eine Steilvorlage für ein Polit-Drama. An diesem Mittwoch (20.15 Uhr) ist der Spielfilm „Die Spiegel-Affäre“ in Starbesetzung im ARD-Programm zu sehen.

Den damals mächtigsten Pressemann der Bundesrepublik verkörpert der Schauspieler Sebastian Rudolph, Jahrgang 1968, vom Hamburger Thalia-Theater. „Die Faszination für mich an Rudolf Augstein ist, dass er mit ganzer Seele das macht, wovon er überzeugt ist“, sagt er. „Und jemand, an dem man sich messen und abstoßen und reiben kann, ist eine Figur, die es wichtig ist, in der heutigen Zeit zu zeigen, in der viele so stromlinienförmig agieren.“

Seinen Gegenspieler mimt Francis Fulton-Smith (48). Der „bayrische Engländer“, wie sich der gebürtige Münchner mit britischem Pass selbst gern bezeichnet, übernimmt die Rolle des „FJS“ – und musste dafür sichtlich an Körpergewicht zulegen.

„Wenn man sich so einem politischen Schwergewicht nähert, ist es enorm wichtig, auch eine gewisse körperliche Präsenz mitzubringen“, sagt der selbstbewusste Schauspieler („Familie Dr. Kleist“).

Der Film (Regie: Roland Suso Richter) mit seinen Schwarz-Weiß-Rückblenden hält den Zuschauer gefangen, der wortgewandten Auseinandersetzungen folgen darf. Die ebenfalls prominent besetzten Nebenrollen – Otto Mellies als Kanzler Adenauer – geben den um die Macht Pokernden Halt. Über 90 Minuten entwickelt sich eine Männerfehde, deren emotionale Kälte ein Filmdialog in Worte packt: „Was haben Sie gegen mich als Mensch? Was habe ich Ihnen eigentlich angetan?“, fragt Strauß.

„Entschuldigung, ich habe noch eine Menge wichtiger Termine. Ich habe jetzt leider keine Zeit. Es tut mir leid.“ Mit diesen Worten lässt Augstein Strauß stehen. Freunde werden sie auch im Film nicht.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.