Luzern Ein Krimi, bei dem die Leiche fast eine Stunde auf sich warten lässt? Der 88 Minuten fast nur in einem einzigen Gebäude spielt? Wie spannend das sein kann, zeigt der „Tatort“ mit dem Titel „Die Musik stirbt zuletzt“ an diesem Sonntag (20.15 Uhr) im Ersten. Ein szenischer Kniff nimmt die Zuschauer dabei nämlich hautnah mit ins Geschehen: Die ganze Handlung ist mit einer einzigen Kamera ohne Unterbrechung durchgefilmt.

Der Kameramann läuft den Schauspielern hinterher, einschließlich bei einer Verfolgungsjagd. Das Bild wackelt manchmal, und genau das vermittelt das Gefühl, beim Verbrechen live dabei zu sein.

Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer) ist privat bei einer eleganten Benefiz-Gala im Konzertsaal von Luzern. Plötzlich torkelt der Klarinettist des Orchesters, Vincent Goldstein (Patrick Elias), nach Luft ringend von der Bühne.

Seine Zuckungen, der Luftröhrenschnitt mit dem Messer vom Buffet – überall ist die Kamera ganz nah dran. Der Klarinettist überlebt zwar, aber dass es ein Giftanschlag war, ist schnell klar. Sofort tun sich die Abgründe rund um den Mäzen und Israel-Freund auf, der das Gala-Konzert gesponsert hat.

Der von Hans Hollmann brillant gespielte alternde Unternehmer und Milliardär Walter Loving hat vor mehr als 75 Jahren Juden vor den Nazis gerettet, für Geld. 30 Prozent Provision, wie er einräumt. Nicht alle, von denen er kassiert hat, überlebten aber. Zwei, deren Großeltern Loving in Todesangst ihr Vermögen gaben und die trotzdem im Konzentrationslager umgebracht wurden, stehen an diesem Abend auf der Bühne und planen Rache. Der Klarinettist war einer von ihnen.

Ritschard ermittelt im lachsfarbenen Abendkleid. Den Kollegen Reto Flückiger (Stefan Gubser) holt sie vom Fußballplatz, und er geht in Trikot, kurzen Hosen und Badelatschen auf Verbrecherjagd. Denn sie glauben, dass der Täter gleich noch einmal zuschlagen wird.

Der Regisseur wirft ein paar Nebelkerzen: Zwei Frauen wird es plötzlich übel, und die Kamera macht auch vor dem Kotzen auf der Damentoilette nicht halt. Schließlich gibt es noch mindestens einen Mord, vielleicht auch zwei, und einen Todeskampf vor der Kameralinse.

88 Minuten ohne Unterbrechung zu filmen, war für die Macher eine Herausforderung. „Man konnte nicht abbrechen oder aufgeben, es galt die Unerbittlichkeit des Moments“, sagte Regisseur Dani Levy.

Kameramann Filip Zumbrunn musste seine Unterarme trainieren, um die Kamera 90 Minuten halten zu können. Und die Schauspieler mussten improvisieren. Dass Ritschards Rocksaum bei einem Sprint zerriss, war nicht geplant, ist aber nun Teil des Films.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.