Los Angeles Bei „Psycho“ hat sich Alfred Hitchcock, der „Master of Suspense“, selbst übertroffen. Der Film, der vor 60 Jahren (16. Juni 1960) in New York Premiere feierte, ängstigte ein Millionenpublikum, brachte dem britischen Regisseur den Ruf als „Horrorfilmer“ ein, bescherte ihm seinen größten Erfolg an den Kinokassen, brach mit vielen Hollywoodregeln – und machte Duschen unbeliebt.

Wenige Szenen der Filmgeschichte sind so unter die Haut gegangen: Während Marion Crane (Janet Leigh) im einsamen Bates Motel unter der Dusche steht, dringt eine dunkle Gestalt ins Badezimmer ein, der Vorhang wird weggerissen. Die blonde Frau lässt einen gellenden Schrei los, dann sticht der Mörder mit einem Messer immer wieder auf sie ein.

Cineastischer Grusel

Dabei zeigte Hitchcock ganz bewusst nicht, wie das Messer in das Opfer eindringt. Den cineastischen Grusel erzeugt die immer schneller werdende Stichsequenz, dazu das Stakkato der schrillen Streichermusik und das mit Wasser vermischte Blut im Abfluss, das mit langsamer Blende in das weit aufgerissene Auge der Toten übergeht. Der Horroreffekt brauchte nicht einmal Farbe – „Psycho“ ist ein Schwarz-Weiß-Film.

Sie selbst habe den Dreh als derart gruselig empfunden, dass sie lange Zeit jede Duschkabine mied und lieber badete, sagte Leigh später in Interviews. Der Filmemacher Alexandre Philippe widmete der legendären Szene einen eigenen Dokumentarfilm. „78/52“ ist nach den 78 Kameraeinstellungen und den 52 schnellen Schnitten benannt, mit denen Hitchcock den Mord meisterhaft inszenierte. Knapp drei Minuten dauert der Badezimmer-Horror.

Bruch mit Traditionen

Janet Leigh war als Filmstar und durch ihre Ehe mit Tony Curtis und die kurz vor den Dreharbeiten geborene Tochter Jamie Lee Curtis bekannt. Umso überraschender war Hitchcocks Verstoß gegen die Hollywoodregeln, seinen Vorzeige-Star schon im ersten Drittel des Films sterben zu lassen.

Auch mit freizügigen Bettszenen schockierte Hitchcock damals das prüde Amerika. „Psycho“ beginnt mit einer langen Kamerafahrt über die Skyline von Phoenix in ein Hotelzimmer, wo Leighs Charakter Marion Crane mit ihrem Liebhaber Sam (John Gavin) im Bett viel nackte Haut zeigt. Statt 40 000 Dollar von ihrem Chef auf die Bank zu bringen, macht sich die hübsche Sekretärin mit dem Geld auf den Weg nach Kalifornien, wo ihr Freund lebt. Bei strömendem Regen hält sie übermüdet in dem merkwürdigen Bates Motel an. Der auf den ersten Blick schüchterne Betreiber Norman (Anthony Perkins) erzählt ihr von seiner alten, kranken Mutter, die der Sohn in der gespenstischen Villa nebenan betreut.

Der damals 28-jährige, kaum bekannte Perkins glänzte in der Rolle des schizophrenen, zerrissenen Täters, der eine ganze Reihe Opfer auf dem Gewissen hat, darunter den Privatdetektiv Milton Arbogast (Martin Balsam), der sich auf die Suche nach Marions Spuren machte. Auch ihre Schwester Lila (Vera Miles) sucht gemeinsam mit Sam nach der Verschwundenen. Miles ist heute mit 90 Jahren die einzige noch lebende Darstellerin der „Psycho“-Riege.

Große Verschwiegenheit

Bis zur Premiere im Juni 1960 schwor der Regisseur alle Beteiligten auf Verschwiegenheit ein. Die Geheimniskrämerei heizte die Spannung weiter an. Einige Kritiker verrissen den gewalttätigen Schocker, der heute zu den ersten Slasher-Filmen gezählt wird. Ein Autor des „Hollywood Reporter“ schwärmte von dem „erstklassigen Mystery-Thriller, voll mit Schockeffekten und Überraschungen“.

Die Zuschauer stürmten die Kinos. Am Ende spielte „Psycho“ alleine in den USA mehr als 30 Millionen Dollar ein, die Bestmarke für einen Hitchcock-Film.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.