Kiel In aufgewühlten Nordseefluten schwimmt im Neoprenanzug Famke Oejen und geht an Land. Dazu spannende Musik und im Flüsterton rätselhafte Sätze über die Erinnerung, so beginnt es. Die geheimnisvolle Schöne, intensiv und facettenreich gespielt von Emmy-Award-Gewinnerin Christiane Paul, wird zur Hauptfigur des „Tatort“-Krimis „Borowski und das Land zwischen den Meeren“, den das Erste an diesem Sonntag um 20.15 Uhr zeigt.

Mit dem Titel ist nicht nur das im Caspar-David-Friedrich-Stil düster gefilmte Schleswig-Holstein gemeint, sondern auch die sich in der Natur widerspiegelnde Seelenlandschaft. Sie wird immer wieder neu vermessen zwischen Realität und Traumwelten – Mystery im Norden.

Die Handlung ist komplex inszeniert mit Rückblenden und Szenen, in denen offen bleibt, ob Borowski sie geträumt oder erlebt hat. Und das Autorenteam Peter Bender, Ben Braeunlich und Regisseur Sven Bohse hat den Krimi angelehnt an die Rungholt-Sage, die auch Theodor Storm (1817–1888) in seiner Novelle „Eine Halligfahrt“ erwähnt. Rungholt soll als Gottesstrafe im 14. Jahrhundert in der Nordsee untergegangen sein, weil Bauern ein Schwein mit Alkohol abfüllten und einen Pfarrer zwangen, dem Tier die heiligen Sakramente zu geben.

Es geht also um Ausschweifungen und Frevel. Der Film greift das Thema auf seine Art auf. Famke findet ihren Freund Oliver Teuber (Beat Marti) tot in der Badewanne. Kommissar Borowski alias Axel Mixelberg reist nach Suunholt, eine fiktive Nordseeinsel, um den Tod aufzuklären. Es ist der erste Fall, den Borowski nach 14 Episoden mit Sarah Brandt (Sibel Kekilli) wieder allein lösen muss.

Der Kommissar stößt auf Inselbewohner, wie sie derber und kauziger kaum sein könnten: einen wortkargen Schweinebauern, der sich in eine Prostituierte verliebte, einen geilen Bäcker, mit dem Famke Sex hatte, und eine religiöse Eiferin, die das Lotterleben der Inselbewohner anprangert.

Borowski lässt Famke in einer Notsituation bei sich im Hotelzimmer übernachten. Der rationale Ermittler droht die Distanz zu ihr zu verlieren.

Teuber war, was Borowski wusste, vor Jahren die Schlüsselfigur in einem Kieler Korruptionsskandal und dann spurlos verschwunden. Er galt als Opfer eines Mordfalls, in dem der Tote nie gefunden wurde.

Mit herausragenden Schauspielern bis in die kleinsten Rollen und norddeutsch knappen Dialogen („Haben Sie einen Kaffee?“ , „Ja aber nur ohne Gedöns“, „Ja, den nehm’ ich“) wird der Film auch zur Liebeserklärung an die Nachsaison in Schleswig-Holstein.

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