HAMBURG Der Pinguin lässt die Flügel hängen und wartet auf den Arzt. Auf einer Trage wird ein volltrunkener Wikinger vorbei getragen, ein „Bierschrammer“, der alkoholisiert mit dem Gesicht aufs Pflaster geknallt ist. Wie es eben in einem Mainzer Krankenhaus zur Fassenacht so zugeht: Die Notaufnahme brummt. Zwei Wochen vor der diesjährigen Karnevals-Hochzeit zeigt Sat.1 am Dienstag (20.15 Uhr) die von Rolf Silber geschriebene und inszenierte Komödie „Achtung Arzt!“, die trotz des einfallslosen Titels ein nachdenklich-spritziges Vergnügen ist.

„Ich fand die Verbindung von Fassenacht und Arztgeschichte so reizvoll“, sagt der Autor Rolf Silber. Der gebürtige Seligenstädter ist in einer kleinen Fassenacht-Hochburg aufgewachsen, „wo es Karneval-verrückter zugeht als in Köln oder eben Mainz“. Auch er selbst liebt die Fassenacht.

Seinem Hauptdarsteller Bernhard Schir hingegen „bleibt dieses Phänomen in seiner Tiefe verborgen, und das wird wohl auch so bleiben“. Insofern sei er „typgerecht“ besetzt, als Chefarzt Professor Kortner, der sich bei drohender Fassenacht aufs Fahrrad schwingt und das Weite sucht.

Sein Pech: Er hat einen Unfall. Und landet nun im eigenen überbelegten Krankenhaus, wo kein Einzelzimmer frei ist, sondern er, der Halbgott in Gips, das Zimmer mit zwei nervenden Schicksalsgenossen teilen muss und nun alle kleinen Gemeinheiten erduldet, die er sonst anderen zumutet.

Das freut, wenigstens zunächst, die Ärztin Sarah, gespielt von Sat.1-Komödien-Ass Annette Frier. Gedreht wurde in einem leer stehenden Krankenhaus in Berlin, die Fassenacht-Szenen wurden mit kleiner Kamera an den Originalstätten aufgenommen und in die eigentliche Handlung eingeblendet. Silber: „Ein eigenes großes Team hätte unser Etat nicht verkraftet.“

Ein besonderer Spaß wurden die Szenen im Krankenzimmer. Schir erinnert sich: „Wir haben furchtbar gelacht.“ Allerdings nur in den Drehpausen: „Wenn es ,Action!’ heißt, muss der Schauspieler seine Rolle aufrichtig und ernst vertreten und dabei voll konzentriert sein.“ Wie es bei Ärzten eben auch zugeht. „Die flachsen vielleicht zynisch herum oder giften sich an. Aber dann geht es plötzlich um Leben und Tod, und alle stehen da wie eine Eins, sind wie ein Orchester, bei dem jeder seinen Platz hat“, sagt Silber.

Wie am Ende dieses Films auch: Da wird ein sterbenskrankes Kind eingeliefert, und aus der Komödie wird unverhofft ein Drama, aus dem Ekel Kortner ein verantwortungsbewusster Arzt. Danach kann man sich sogar vorstellen, dass er und Sarah so richtig ein Paar werden. Schir schmunzelt: „Lassen wir offen, wie die Geschichte ausgeht.“

Immerhin lädt Kortner seine neue Oberärztin zu einer Wurst ein. Obwohl doch früher sein Standardspruch war, hier in seiner Klink bekäme keiner eine Extrawurst.

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