Frage: Frau Postel, vor etwa einem Jahr haben Sie Ihren letzten Fall als „Tatort“-Kommissarin Inga Lürsen gelöst. Haben Sie daheim Erinnerungsstücke an Ihre Rolle im Schrank stehen?

Postel: Nein. Ich hatte ja auf meinen Dienstausweis spekuliert, aber der wurde mir nach dem Dreh weggenommen – vielleicht damit ich damit keinen Missbrauch treibe und den zücke, wenn ich mal zu schnell gefahren bin (lacht). Ich habe aber von der Polizei eine Ehrenurkunde bekommen, die hängt bei mir in der Küche an der Wand neben einer Zeichnung von Loriot. Ansonsten habe ich nichts mitgenommen außer schönen Erinnerungen und DVDs.

Frage: Haben Sie sich Ihre Bremen-Krimis mal wieder angesehen?

Postel: Nein, vielleicht später. Die Jahre beim „Tatort“ waren eine wunderbare Zeit, und ich bereue keine Minute, aber ich blicke nicht traurig zurück. Auf zu neuen Ufern, sage ich.

Frage: Jetzt geht Ihre Serie „Die Kanzlei“ weiter. Die von Ihnen gespielte Anwältin Isa von Brede hat einen Hygienezwang und lässt keinen Desinfektionsmittelspender aus. Das ist heutzutage nicht mehr lustig.

Postel: Nein, wirklich nicht. Wir hatten das ursprünglich mal als Macke in den Charakter eingeschrieben, und die Zuschauer haben sich amüsiert, wenn ich zur Unzeit die Feuchttücher oder das Desinfektionsspray rausgeholt habe, oder Türklinken nicht anfassen wollte. Das sollte ein komischer Aspekt der Figur sein; jetzt bleibt einem das Lachen wohl im Hals stecken.

Frage: Die Serie ist beim Publikum sehr beliebt. Woran liegt das?

Postel: Die Anwälte in der Serie sind kleine Kämpfer für Gerechtigkeit, und das macht sie so sympathisch. Sie kümmern sich um die Sorgen der kleinen Leute, um die Underdogs, die woanders keine Chance haben. Das macht den Charme der Geschichte aus. Das war übrigens von Anfang an der Kern der Serie, die es ja sehr lang gibt. 2003 wurde die erste Folge produziert, ich bin auch schon 13 Jahre dabei.

Frage: Die Vorschriften für Dreharbeiten in der Coronakrise sind sehr streng. Könnten Sie sich zur Not selber schminken?

Postel: Theoretisch ginge das, nur wie sähe ich dann aus? Nicht zu Unrecht ist der Beruf der Maskenbildner ein so wichtiger – gerade jetzt, wo wir mit hochauflösender Kameratechnik drehen. Durch das Licht, das gesetzt wird, und die feinste Auflösung sieht jeder Pickel aus wie ein Berg und jede Falte wie der Grand Canyon. Da kann man nicht einfach ein bisschen Rouge auf die Backen machen, sondern muss da sehr aufwendig arbeiten, um normal auszusehen.

Frage: Wird dadurch das Älterwerden vor der Kamera noch schwerer als früher?

Postel: Wissen Sie, ich bin dafür, in Würde reifer und älter zu werden. Es hat ja keinen Sinn, dass ich mir das Gesicht durch eine Schönheitsoperation verzerren lasse. Wenn ich das Glück habe und die Operation gut gelungen ist, kann ich noch fünf Jahre lang jüngere Rollen verkörpern, aber das bringt’s ja nicht. Ich bin der festen Meinung, man muss gut aussehen, möglichst präsentabel und frisch wirken. Gegen sein Alter anzuspielen halte ich persönlich für unklug. Wir werden alle älter, und damit muss man umgehen.

Frage: Sie haben ja auch mal Bildende Kunst studiert. Sind Sie in dieser Hinsicht jetzt wieder mehr aktiv?

Postel: Nein. Ich war zwar immer ein sehr künstlerisch kreativer Mensch, konnte gut schreiben und zeichnen. Aber dieses Studium war im Rahmen einer Ausbildung zur Gymnasiallehrerin, ich hatte Germanistik und Kunst an der Uni Oldenburg belegt. Ich habe aber niemals kreative Produkte erschaffen, die die Welt braucht (lacht).

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