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Die finale Staffel startet am Freitag bei Amazon Prime mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989. Jonas Nay verkörpert den Spion wider Willen seit der ersten Staffel „Deutschland 83“ und erhielt für seine Rolle den renommierten Grimme-Preis.
Frage: Herr Nay, Sie spielen in der „Deutschland“-Serie einen DDR-Spion. Welche Erfahrungen nehmen Sie mit?

Nay: Wahnsinnig viele. Ich habe mich lange mit meiner Rolle als Martin Rauch beschäftigt und identifiziert, es war eine prägende Zeit für mich – menschlich, aber auch als Schauspieler. Es ist viel Wehmut dabei, wenn die Serie jetzt endgültig vorbei ist.

Frage: Die finale Staffel „Deutschland 89“ dreht sich um den Fall der Mauer. Sie sind 1990 geboren, tut es Ihnen leid, dass Sie diesen emotionalen Höhepunkt der deutschen Geschichte verpasst haben?

Nay: Dieser Moment der Maueröffnung, dieser unglaubliche Triumph einer friedlichen Revolution, wirkt auf mich magisch. Aber ich bin mit meiner Generation ganz selbstverständlich im geeinten Deutschland aufgewachsen und möchte das nicht missen. Für mich war Deutschland immer ein zusammengehöriges Land, und dass ich das nie in Frage gestellt habe, bis ich mich für die Serie intensiv mit der deutsch-deutschen Geschichte befasst habe, ist ein Beleg dafür, wie erfolgreich die Wiedervereinigung war.

Frage: Nehmen Sie Unterschiede zwischen Ost und West wahr?

Nay: Klar gibt es strukturelle Unterschiede, und wer damals schon berufstätig war, ist durch die verschiedenen Systeme komplett unterschiedlich geprägt. Aber in meiner Generation ist das kein großes Thema mehr, da ist das nicht mehr so identitätsstiftend.

Frage: Warum ist es trotzdem wichtig, sich 30 Jahre danach mit diesem Kapitel zu befassen?

Nay: Weil es eine sehr lehrreiche Zeit ist. Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, wie wertvoll es ist, dass wir in Europa so friedlich miteinander leben, dass wir offene Grenzen haben – mal abgesehen von den Einschränkungen durch Corona. Schauen Sie sich doch das weltpolitische Geschehen von heute an. In Amerika werden Mauern gebaut, der Konflikt zwischen Putins Russland und den Ländern des Westens flackert immer neu auf. Wenn man sich die heiße Phase des Kalten Kriegs anschaut, sieht man, wie gefährlich es werden kann. Ich hoffe, dass unsere Serie die Leute meiner Generation dazu bringt, sich mit dieser Zeit auseinanderzusetzen.

Frage: Ist das Thema in Ihrer Schulzeit nicht behandelt worden?

Nay: Im Schulunterricht ist es zu kurz gekommen, ich erinnere mich nur an eine relativ kurze Abhandlung über den Sozialismus in der DDR und das Stasisystem, aber das war’s auch schon.

Frage: Was muss man beachten, wenn man als Schauspieler jemanden aus den 80ern spielt?

Nay: Aspekte wie Kleidung, Mode, Architektur und Stand des technischen Fortschritts spielen für viele Gewerke eine große Rolle, für uns Schauspieler aber auch die Sprechweise. Das Vokabular muss der Zeit entsprechen.

Frage: Sie haben Musik studiert, singen in einer eigenen Band und sind auch ausgebildeter Filmkomponist. Haben Sie am Soundtrack zur „Deutschland“-Trilogie mitgewirkt?

Nay: Für die letzte Staffel habe ich einen Song beigesteuert. Es gibt eine Schlüsselszene, in der Martin Rauch in ein linksradikales Kollektiv eingeschleust wird, für diese Szene habe ich einen Jazz-Song komponiert. Ansonsten habe ich mich, was das angeht, rausgehalten. Die Beschäftigung mit der Rolle hat mich ausgelastet.

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