Hamburg Große Klappe, großes Herz – so haben die Zuschauer Jan Fedder geliebt. Als „Großstadtrevier“-Polizist Dirk Matthies sorgte er über Jahrzehnte in der ARD-Dauerserie für Recht und Ordnung auf St. Pauli. Kiez und Kodderschnauze – zu Fedder gehörte beides. Sowohl zur Rolle seines Lebens im Fernsehen wie auch im wahren Leben. Dort am Hafen, zwischen Schiffen und Seeleuten, Reeperbahn und Rotlichtmilieu, war er aufgewachsen. Ein waschechter Hamburger Jung, der weit über seine Heimat hinaus zum Publikumsliebling wurde. Am 30. Dezember teilte die Polizei mit, dass der „Hamburger Ehrenkommissar“ gestorben ist. Jan Fedder wurde nur 64 Jahre alt.

Er war ein Kerl mit vielen Kanten, ein Raubein mit Charme. Vor allem einer, der sich nicht verbiegen ließ und sagte, was er dachte. Als er 2006 nach vielen Jahren im Einsatz als TV-Polizist seinen ersten und einzigen Deutschen Fernsehpreis bekam, erhielt er den nicht etwa als Serienstar, sondern für die Hauptrolle in „Der Mann im Strom“.

In vier Verfilmungen von Siegfried-Lenz-Werken übernahm Fedder die Hauptrolle. In den 50er Jahren war Lenz (1926-2014) nach Hamburg gezogen – jene Zeit, in der der kleine Jan am Hafen aufwuchs. „Ich bin nicht nur echter Hamburger, ich bin echter St. Paulianer – das ist ‘ne ganz besonders edle Rasse“, hat Fedder seinen Kiez-Bullen Matthies, den er seit 1992 in Deutschlands bekanntestem TV-Polizeirevier spielte, mal erklären lassen. Die Verkörperung norddeutscher Charaktere – mal mehr, mal weniger Plattdeutsch schnackend – war sein Markenzeichen. „Volksschauspieler – mit Fug und Recht“, nannte er sich.

Erst waren es kleine TV-Rollen, bis er 1981 fürs Kino in ein U-Boot stieg und zu Maat Pilgrim wurde: in Wolfgang Petersens Kinoerfolg „Das Boot“. Viele aus jener legendären Leinwand-Crew machten Karriere, allen voran Jürgen Prochnow. Fedder aber blieb in der Heimat und drehte oft dort, wo „son büschen“ Hamburger Slang gefragt war. In Hunderten Film- und Fernsehproduktionen wirkte er mit. Nicht nur sein Part im „Großstadtrevier“ und als auf St. Pauli beheimateter „Hafenpastor“ waren Paraderollen, auch die des Bauern Brakelmann in der NDR-Serie „Neues aus Büttenwarder“.

Angesiedelt ist das fiktive Dorf Büttenwarder in Schleswig-Holstein, wo Fedder im Kreis Steinburg auch einen Bauernhof bewohnte. Für Peter Heinrich Brix, Kollege und Bauernkumpel „Adsche“, war Fedder ein „Gesamtkunstwerk“. Zudem wurde Fedder mehrfach zum Ehrenkommissar ernannt. Auf der Reeperbahn steht er als Wachsfigur im „Panoptikum“, St. Pauli blieb auch immer sein Zuhause. Selbst in seiner Ehe mit Marion – das Paar heiratete 2000 im Michel – blieben getrennte Wohnungen wichtig.

Zurückgezogen vom Filmset hatte sich der Schauspieler, der mit seiner knarzigen Stimme auch als Sänger auftrat, nur für Zwangspausen aus gesundheitlichen Gründen, erstmals 2012 wegen einer Krebstherapie. Immer wieder machte ihm seitdem seine Gesundheit zu schaffen, doch Fedder gab niemals auf.

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