Wenn der Prolog ein Buch gleichzeitig beendet, kann man es eigentlich beiseitelegen: „Für mich ist Hitler der größte Mann, der jemals gelebt hat. Er ist wirklich tadellos, so einfach und außerdem so erfüllt von männlicher Kraft...“, stellt Autorin Nina Gladitz ihrem Werk „Leni Riefenstahl – Karriere einer Täterin“ eine Interview-Aussage der 2003 gestorbenen Filmemacherin von 1937 voran. Dass die von manchen bewunderte, von ebenso vielen verhasste Regisseurin auf den folgenden 431 Seiten keine Chance zur Rehabilitierung erhält, steht früh fest.

Wie in der TV-Dokumentation arbeitet sich Nina Gladitz in ihrem Buch an „Hitlers Regisseurin“ ab. Das in Filmkreisen gängige Zitat „Leni Riefenstahl war ein Genie, aber ein politischer Trottel“ kehrt die 74-jährige Autorin um: Riefenstahl setzte Charme und Anmut auf dem Weg nach oben genauso ein wie Opportunismus und Machtbesessenheit. Zudem bediente „die Leni“ das Rollenideal: mal Unschuld vom Lande, mal Femme fatale. Zur Realisierung ihrer nicht nur in Nazi-Deutschland gefeierten Propagandastreifen „Triumph des Willens“ und „Olympia“ war Leni Riefenstahl bereit, über Leichen zu gehen.

Gladitz vertieft den Vorwurf, die Regie-Diva habe den Kollegen Willy Zielke künstlerisch ausgenutzt und psychisch gebrochen. Dass die Autorin ihre Sicht der Dinge mit Fakten vermischt, hebt die kritische Distanz auf und wird zur persönlichen Abrechnung mit der Frau, der sie schon Mitte der Achtzigerjahre im Gerichtssaal unversöhnlich gegenüberstand.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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