Frankfurt /Main Die ersten Toten gibt es gleich in den ersten Minuten des neuen Hessen-Tatorts „Angriff auf Wache 08“, der an diesem Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird. Hauptkommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) zieht es aber nicht zum Tatort, da mag die Assistentin noch so sehr drängen. Der LKA-Ermittler hat Urlaub, basta. Entsprechend entspannt summt er vor sich hin, mit einer Flasche Single Malt auf dem Beifahrersitz für seinen alten Freund Walter Brenner (Peter Kurth) aus gemeinsamen BKA-Tagen.

Brenner, schnauzbärtig, etwas übergewichtig und infolge einer wandernden Kugel in der Nähe der Wirbelsäule indisponiert, kann von den Aufregungen in Zeiten des RAF-Terrors der 80er Jahre nur noch träumen. Er ist mittlerweile Museumspolizist, in einer umfunktionierten Polizeiwache irgendwo zwischen Frankfurt und Offenbach. Brenner, unterstützt von der Verkehrspolizistin Cynthia Roth (Christina Große), erzählt feixenden Schülern von den alten Zeiten, als Zeugenaussagen noch mit der Schreibmaschine getippt wurden.

Bis dann eben kurz vor einer totalen Sonnenfinsternis das Chaos ausbricht. Erst hat ein Gefangenentransport eine Reifenpanne und glaubt, bei einer „echten“ Polizeiwache Hilfe zu finden.

Dann stürzt ein offensichtlich unter Schock stehendes junges Mädchen mit einer gerade abgefeuerten Waffe in die Wache. Und schließlich gerät das Gebäude unter den Beschuss unbekannter Angreifer.

Es ist schon eine seltsame Schicksalsgemeinschaft, die ohne Handy, ohne Internet und ohne funktionierendes Funkgerät zusammenkommt: Unter anderem ein hysterischer Schließer, der als Polizistensohn zwar Uniform tragen, aber möglichst gefahrlos leben wollte, ein als Kannibale zu lebenslanger Haft verurteilter Straftäter und ein traumatisierter Teenager.

Spätestens, wenn im Schein einer auf dem Boden liegenden Schreibtischlampe Lagerfeuer-Atmosphäre aufkommt, die Whiskyflasche kreist und Brenner zur Abwechslung mal eine Mundharmonika statt Zigarre im Mund hat, erinnert die belagerte Wache an den Schauplatz von Western-Klassikern wie „Rio Bravo“.

Und ist der harte, abgeklärte Brenner etwa nicht die hessische Antwort auf John Wayne? Der Lobgesang auf einsame Männerfreundschaften, die bleigefüllte Luft, selbst eine abgesägte Schrotflinte, die gegen all die automatischen Waffen zum Einsatz kommt – das ist Wildwest im Rhein-Main-Gebiet.

Gedreht wurde auf dem Gelände der ehemaligen Ray Barracks in Friedberg – dort war einst Elvis Presley während seiner Militärzeit in Deutschland stationiert. „Wir werden hier Einiges gepflegt in die Luft jagen“, kündigte Regisseur Thomas Stuber schon bei den Dreharbeiten an – und dieses Versprechen wird reichlich eingelöst. Vor allem aber trumpft dieser „Tatort“ mit großartigen Miniszenen, Dialogen und Filmzitaten auf, die auch die Nebenrollen glänzen lassen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.