Frankfurt /Main Eine Ikone des deutschen Films und Fernsehens verabschiedet sich in diesem Monat posthum von den Zuschauern. Hannelore Elsner, die am 21. April 2019 starb, ist fast auf den Tag genau ein Jahr später in einer Nebenrolle als pensionierte Kommissarin im „Tatort: Die Guten und die Bösen“ zu sehen. Der Krimi an diesem Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD ist auch ihr gewidmet.

Der sehenswerte „Tatort“ des Hessischen Rundfunks setzt zudem inhaltlich Maßstäbe. Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) werden mit dem Verbrechen eines Kollegen konfrontiert, das sie zwingt, die eigene Einstellung zum Beruf und ihre ethischen Werte zu hinterfragen. Petra K. Wagner hat den Sonntagabendkrimi nach einem Buch von David Ungureit inszeniert.

Mit einer durchzechten Nacht versuchen die Frankfurter Ermittler Janneke und Brix die Widrigkeiten ihres Berufsalltags zu vergessen. Das Präsidium ist eine Baustelle, normale Arbeitsabläufe stocken. Zudem wurden sie zu einem Motivationstraining bei Olivia Dor (Dennenesch Zoude) verdonnert. Die Trainerin nervt die Beamten mit der Frage, warum sie ihren Beruf ausüben.

Schwer verkatert machen sich Janneke und Brix auf den Weg zu einer abgelegenen Waldhütte, wo sie von Polizeihauptmeister Ansgar Matzerath (Peter Lohmeyer) erwartet werden, der den Fund einer Leiche eines offenbar gefolterten und verstümmelten Mannes gemeldet hatte. Der Kollege liefert Täter und Geständnis mit: Er selbst habe den Mann getötet, weil der vor sieben Jahren seine Frau entführt und vergewaltigt haben soll.

Matzerath erzählt, dass seine Frau nach dem Verbrechen schwer traumatisiert gewesen sei. Mit wenigen Szenen werden die psychischen Folgen des Verbrechens für das Opfer verdeutlicht, die auch die Ehe schwer belasteten.

Der Täter wurde nie gefunden, was die damals ermittelnde Beamtin Elsa Bronski (Hannelore Elsner) noch heute wurmt. Noch sitzt sie weitgehend unbemerkt von den einstigen Kollegen im Keller des Polizeipräsidiums und stöbert in Akten, um Spuren zu entdecken, die in der Hektik übersehen wurden.

Nach der Einstellung des Verfahrens ermittelte Ansgar Matzerath auf eigene Faust weiter. Er ist überzeugt, den Täter gefunden zu haben. Als Polizist ahnt er, dass die Indizien für eine Wiederaufnahme der Ermittlungen nicht ausreichen. Sein Weltbild von der Polizei, die alle Verbrechen aufklärt, wird zerrüttet.

Da der Fall nach zehn Minuten gelöst scheint, konzen­triert sich die Handlung auf das Seelenleben der drei Polizisten und das gesellschaftliche Bild ihrer Aufgabe, die jeden Tag auch über Fernsehkrimis geprägt wird. Die Fernsehkommissare haben eine Aufklärungsquote von über 90 Prozent, was nicht der Realität entspricht. Wie gehen Polizisten damit um, wenn sie den Ansprüchen nicht genügen und vergeblich versuchen, ein Verbrechen aufzuklären? Denn es gilt: Im Zweifel für den Verdächtigen.

Hannelore Elsner hat ihre ersten Szenen erst in der zweiten Hälfte des Films. Dennoch brennt sich ihr Auftritt ein. Wie kaum eine zweite Schauspielerin Deutschlands beherrschte sie die Kunst, auch kleinen Rollen den Stempel aufzudrücken. Zugleich eröffnete sie sich und ihren Mitspielern den Raum, sich gemeinsam zu entfalten und zu glänzen. Sie fehlt dem deutschen Film und Fernsehen schon jetzt.

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