BERLIN Sie ist jung, attraktiv und selbstbewusst: Die in München lebende Ayla (Pegah Ferydoni) möchte sich wie viele andere Frauen aus muslimischen Familien nicht länger vorschreiben lassen, wie sie zu leben hat. Auch nicht von ihren türkischen Eltern, und so spricht sie mit ihrem Vater seit Jahren kein Wort mehr. Nach seiner Hauptfigur Ayla wurde auch der Kinofilm, der im April 2010 Premiere hatte, benannt. Arte zeigt ihn nun an diesem Freitag um 20.15 Uhr.

Die bildhübsche Ayla – der weibliche türkische Vorname bedeutet ungefähr so viel wie „Mit dem Mondlicht“ – hat sich nicht nur emanzipiert, sie wirkt auch ein wenig heimatlos und verloren, wenn sie abends durch die Straßen geht oder allein am Küchentisch ihren Tee trinkt.

Angebahntes Drama

Erst als sie sich in den coolen Fotografen Ayhan (Mehdi Moinzadeh) verliebt, scheint die Frau, die lieber Make-up als Kopftuch trägt, eine neue Heimat zu finden.

Aber als Ayhans Schwester Hatice (Sesede Terziyan) auf der Flucht vor ihrem türkischen Ehemann mit ihrer kleinen Tochter nach Deutschland kommt und ausgerechnet von Ayla aufgenommen wird, scheint sich ein blutiges Familiendrama anzubahnen.

Der Grundkonflikt von Su Turhans Debütfilm erinnert stark an Feo Aladags „Die Fremde“, dessen Hauptdarstellerin Sibel Kekilli mit einem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Aber Turhans Film kommt im Vergleich zu Aladags Migrantendrama viel zu betulich und auch etwas verzagt daher: die Konflikte werden immer nur angeschnitten, nie wirklich auf den Punkt gebracht. Und eine eher unschöne Fernsehspiel-Ästhetik legt sich bald wie Mehltau über alle Bilder des Streifens.

Zu gut gemeint

So tritt dieses gut gemeinte Drama nach einiger Zeit mächtig auf der Stelle. Eine Romeo-und-Julia-Geschichte mit zwei verfeindeten Familien als dissonantem Hintergrundchor ist „Ayla“ – anders als vom Regisseur erhofft – nun wirklich nicht geworden.

Dabei sollten „die Gefühle gewissermaßen die Spezialeffekte“ sein, so Turhan. Aber auch die besten Effekte machen noch keinen guten Film.

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